Höhlen

Faszination

Die bekannte Kuhstallhöhle am Neuen Wildenstein / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Höhlen üben auf Menschen seit jeher eine große Anziehungskraft aus – als Lagerplatz zu  Urzeiten, als Unterschlupf für Räuber und Geldfälscher, als Versteck für Schutzsuchende samt ihrem Vieh in kriegerischen Zeiten, als Kultstätte, als interessantes und faszinierendes Gebilde für „Landschafter“, Künstler und Naturliebhaber sowie mitunter auch als Müllhalde für Haushalt- oder Industrieabfälle, Kühl- und Lagerraum oder touristisches Erlebnisobjekt … Höhlen sind aber vor allem auch sehr sensible Ökosysteme und Zeugnisse der geologischen, biologischen und historischen Entwicklung und daher unbedingt in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten.  Anzahl der bekannten und beschriebenen Höhlen im Elbsandstein: 

  • 1804: 23
  • 1899: 40
  • 1962: 100
  • 1973: 200
  • 1997: 356
  • 2005: > 500

Entstehung

Höhlen entstehen zumeist durch Verwitterungsvorgänge (Erosion bzw. Auflösung und Auswaschung) oder durch tektonische Vorgänge (Abriss oder Zusammenbruch von Felsformationen, Klüftung und Verschiebung), mitunter auch durch Gasblasen oder unterirdische Lava-Bewegungen. Verglichen mit Höhlen im Tuffstein oder den teilweise riesigen Höhlensystemen in Karstgebieten mit Kalk-, Dolomit- oder Gipsgestein, nehmen sich die Höhlen im Elbsandstein eher wie Zwerge aus, auch wenn die im böhmischen Elbtal gelegenen Klufthöhlen die bedeutendsten in der Region sind. Auf dem Boden eines Binnenmeeres in der Oberen Kreidezeit bildete sich durch Ablagerungsvorgänge über die Zeitspanne von etwa acht Millionen Jahren eine kompakte Sandschicht, die bis zu 600 m (in Böhmen sogar bis zu 1.000 m) mächtig war. In den Sedimentationspausen lagerten sich dabei mehr feinkörnige Tone zwischen den Sanden ab, was zu Ausprägung unterschiedlich starker Bankungen führte. Die tonigen Schichten nennt man Schichtfugen oder Grenzhorizonte, da sie meist horizontal gelagert sind. Nach dem Abfließen des Meeres wurde das verfestigte Sediment – inzwischen eine gewaltige Sandsteinplatte – starken tektonischen Beanspruchungen ausgesetzt. Klüfte bildeten sich und vor allem Wasser, Wind und Eis begannen die Landschaft zu modellieren und den Sandstein zu verkarsten.

Formen von Höhlen

An den wasserundurchlässigen, festeren Tonschichten staut sich das Wasser, wobei die stärkere Durchfeuchtung zur verstärkten Auflösung (Korrosion) und Aushöhlung des Gesteins führt. Durch Verwitterung und Abtragung mechanischer Art (Erosion) entstehen Terrassen, Überhänge und Hohlräume entlang dieser Schichtfugen; es bilden sich Schichthöhlen bzw. Schichtfugenhöhlen in unterschiedlichen Dimensionen bis hin zur Untertunnelung ganzer Felsen. Markante Beispiele für Schichtfugenhöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:

  • der Kuhstall am Neuen Wildenstein
  • die Hickelhöhle im Großen Zschand
  • der Diebskeller am Quirl
  • die Lichterhöhle am Kleinhennersdorfer Stein
  • die Gamrighöhle bei Rathen
  • die Gautschgrotte im Brand

Neben der Schichtung sind senkrechte Klüfte bis hin zu feinsten Rissen im Gestein für die Höhlenentstehung maßgebend. Hier führen Korrosion und Erosion zu stehenden linsenförmigen Räumen und korrosiven Klufthöhlen. Beispiele hierfür sind:

  • Vehmhöhle im Rathener Gebiet
  • Idagrotte am Frienstein (als kombinierte Form)

Fortschreitende Verwitterung und Felsbewegungen können zu weiteren Höhlenformen (Trümmerhöhlen, Klufthöhlen, Einsturzhöhlen) führen, wobei die Felsbewegungen oft auch ursächlich auf Schichtfugen zurückzuführen sind, da diese großflächig als Gleitflächen oder Harnische wirken. Beim Einsturz von Felsformationen und der Übereinanderlagerung von Felsblöcken kann es zum Einschluss von Hohlräumen kommen, es entstehen Trümmerhöhlen bzw. Blocktrümmerhöhlen. Beispiele für Trümmerhöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:

  • die Bellohöhle am Pfaffenstein
  • der Kleine Kuhstall am Pfaffenstein
  • die Bennohöhle im Bielatal
  • der Wildpretskeller zwischen den Zschirnsteinen

Durch talseitiges Bewegen und Rutschen von Felswänden oder großen Blöcken an Spalten und Klüften können vor allem tiefe Hohlräume entstehen, die in der Regel nur klettertechnisch zu befahren sind. Beispiele für Tektonische Klufthöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:

  • die Schwedenhöhle bei Wehlen
  • die Punkenhöhle bei Krippen
  • die Schwedenhöhle im Bielatal
  • die Wohlrabhöhle im Bielatal

Das Einstürzen oder Einschließen von durch Erosion oder Korrosion entstandenen Aushöhlungen kann vor allem an stark ausgewitterten Schichten zu Einsturzhöhlen führen. Beispiele für Einsturzhöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:

  • die Heringshöhle in den Teufelsschlüchten bei Wehlen
  • die Götzinger- oder Diebshöhle am Kleinen Bärenstein
  • die Sterlhöhle am Quirl