Heute

1. Urwald
2. Forst
3. Aktuelle Naturnähe des Nationalparks Sächsische Schweiz
4. Nationalpark-Zielstellung und Zonierung

1. Urwald

„Der Urwald bildet eine Lebensgemeinschaft von holz- und krautigen Gewächsen, in deren ewig währendem Kampf ums Dasein der Mensch nicht regelnd und helfend eingreift, sondern dessen einzelne Glieder sich während ihres ganzen Lebens ungestört gegenseitig beeinflussen können.“ (FRÖHLICH 1954)

Starke Rotbuche (Fagus sylvatica)

Starke Rotbuche (Fagus sylvatica) / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Um das Geschehen und die Andersartigkeit eines Urwaldes zu verstehen, soll die folgende Beschreibung eines Buchenurwaldes helfen: Betritt man einen Buchenurwald, so fällt zuerst das ungleiche Alter der Bäume auf. Es treten aber auch einzeln eingestreute Bäume, wie Fichten, Tannen, Ulmen, Linden und Eichen, hervor, die ein sehr hohes Alter und damit sehr hohe Durchmesser von 1,5 m bis 2 m besitzen. Auch der Anteil an abgestorbenen Bäumen und Ästen (Totholz) ist je nach Art der Waldgesellschaft wesentlich höher als in anderen Wäldern. Eng daran gebunden ist eine Vielzahl von Organismen, wie z. B. die Pilze, deren Aufgabe es ist, das tote Holz zu zersetzen und so den Kreislauf der Natur wieder zu schließen. Auch diverse Moose, Flechten, Insekten und Vögel aus der Familie der Spechte hinterlassen beim Besucher einen urwüchsigen Eindruck.

Urwälder besitzen eine eigene Dynamik, welche durch die natürliche Altersentwicklung, Konkurrenz sowie das Wachstum der Waldbestände bzw. einzelner Bäume geprägt wird. In Buchen-Urwäldern oder in Gebirgs-Urwäldern (Tanne-Buche-Fichte) findet eine Verjüngung oft nur kleinflächig statt. Sie etabliert sich überall dort, wo durch den altersbedingten Zerfall oder biotische und abiotische Schäden Lichtschächte im Kronenraum entstehen. Großflächige Windwürfe sind dagegen äußerst selten und nur in natürlichen Fichten-Urwäldern etwas häufiger. Hingegen gelten besonders Buchen-Urwälder als äußerst stabil, nennenswerte abiotische und biotische Schäden treten nur selten auf.

2. Forst

Die dritte Form des Waldes ist der durch den wirtschaftenden Menschen entstandene„Kulturwald“, auch mit dem Begriff „Forst“ bezeichnet. Diese Waldbestände sind, mit Ausnahme des Plenterwaldes, überwiegend künstlich gepflanzt und in ihnen werden aus wirtschaftlichen Gründen meist nur eine oder wenige Baumarten angebaut, welche in dem Gebiet von Natur aus nicht in der Häufigkeit oder überhaupt nicht vorhanden wären, z. B. die Fichte im Hügelland bei 250 m ü. NN. Unser Forst ist in der Regel als Altersklassenwald aufgebaut und die Reinbestände (nur eine Baumart) einer Betriebsklasse werden nach Altersgruppen von zehn Jahren gegliedert. So entsteht das einförmige und stufenartige Bild des Forstes.

Fichtenreinbestand mit Kalamitätsloch

Fichtenreinbestand mit Kalamitätsloch / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Im Forst werden die Baumbestände nach ihrer Ökologie bzw. Naturnähe in Bezug auf den Standort (Klima, Lage, Boden) wie folgt unterschieden:

  • „Standortgerecht“
  • „Standortfremd“
  • „Standortwidrig“

Von „standortgerecht“ spricht man, wenn ein Baumbestand an die natürlichen Verhältnisse eines Wuchsraumes angepasst ist, z. B. ein Buchen-Fichtenwald im submontanen Bereich. „Standortfremd“ wäre auf demselben Standort ein Douglasienbestand (amerikanische Baumart). „Standortwidrig“ sind Baumbestände, wenn sie nicht für den Standort geeignet   sind und negative Folgen für die Böden sowie einen unsicheren Ertrag aufweisen.

In der heutigen Gesellschaft muss der Forst vielen Ansprüchen gerecht werden. Er muss Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen erfüllen, wobei eine ausgeglichene Multifunktionalität des Waldes angestrebt wird. Das spiegelt sich auch im aktuellen Sächsischen Waldgesetz wider:

§ 2 Wald

(1) Wald im Sinne dieses Gesetzes ist jede mit Forstpflanzen (Waldbäumen und Waldsträuchern) bestockte Grundfläche, die durch ihre Größe geeignet ist, eine Nutz-, Schutz- oder Erholungsfunktion (§ 1 Nr. 1) auszuüben. […]

§ 18 Pflegliche Bewirtschaftung des Waldes, Nebennutzungen

(1) Zur pfleglichen Bewirtschaftung des Waldes gehört insbesondere,

  1. den Waldboden und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder zu verbessern,
  2. naturnahe Wälder unter Verwendung eines hinreichenden Anteils standortheimischer Forstpflanzen zu erhalten oder zu schaffen, […]

3. Aktuelle Naturnähe des Nationalparks Sächsische Schweiz

Das heutige Waldbild im Nationalpark ist zum überwiegenden Teil nicht Ausdruck der natürlichen Vegetationsentwicklung, sondern – wie schon aus der Wald- und Forstgeschichte ersichtlich – wesentlich unter dem Einfluss des menschlichen Wirkens entstanden.

„Die Wandlung vom ursprünglichen Waldbild zu den gegenwärtigen Forstgesellschaften ist im Elbsandsteingebiet eine sehr gründliche. Unter dem Einfluß der starken Bodendegradation (Abtrag, Podsolierung, Weide, Streunutzung), der Zerschlagung des natürlichen Bestandsklimas und der langjährigen Reinbestands- und Kahlschlagswirtschaft wurde auf den hiesigen, mineralstoffarmen, hydrologisch schwachen Standorten die natürliche Vegetation vielfach verdrängt. Die heute feststellbaren Forstgesellschaften geben nur seltene und kärgliche Einblicke in die natürliche Waldvegetation …“ (HUNGER 1959 b).

Auf Grund der jahrhundertelangen und intensiven Nutzung ist es nicht verwunderlich, dass bei der Bewertung der Naturnähe (Hemerobie) nur 21 % des Nationalparks als naturnah eingestuft werden konnten (SCHMIDT et al. 1993 u. 1994). Weitere 15 % können als bedingt naturnah gelten, obwohl hier schon die wichtigen Hauptbaumarten gegenüber Mischbaumarten zurücktreten. Dabei gilt es anzumerken, dass das Gebiet der Vorderen Sächsischen Schweiz eine deutlich höhere Naturnähe (25 % naturnah) aufweist als die Hintere Sächsische Schweiz (15 % naturnah). Folgende naturnahe Waldgesellschaften treten in der Sächsischen Schweiz auf:

4. Nationalpark-Zielstellung und Zonierung

Nationalparke sind großflächige, in der Regel naturnahe oder naturbelassene (Natur-)Schutzgebiete, die auf mindestens dreiviertel ihrer Fläche frei von menschlichen Nutzungen und Einwirkungen sind oder dahin gehend entwickelt werden. Es sind Vorranggebiete des Naturschutzes, in denen die Natur in ihrer ganzen Vielfalt eine eigene und ungestörte Entwicklung nehmen darf. Entsprechend der international gültigen Definition der Welt-Naturschutz-Organisation IUCN reduzieren sich Nationalparke (Kategorie II) jedoch nicht nur auf einen, oft an den Zufall gebundenen Prozessschutz des Waldgeschehens, sondern auf das bedeutsame und langfristige Ziel einer Erhaltung der Unversehrtheit von Lebensgemeinschaften, genetischen Ressourcen sowie von Arten bei einer höchstmöglichen Naturnähe, welche ökologische Stabilität und Vielfalt gewährleistet.

Da dieses Ziel große Flächen voraussetzt, ist der im Jahr 2000 gegründete Nationalpark České Švýcarsko/Böhmische Schweiz mit 80 km² Fläche auch für den Naturschutz des deutschen Nationalparks bedeutsam. So stehen hier (im Nationalpark Sächsische Schweiz und Böhmische Schweiz) insgesamt 173 km² als Nationalpark unter Schutz, wobei allein in der Hinteren Sächsisch-Böhmischen Schweiz ein fast 150 km² siedlungsfreies Waldmassiv vorhanden ist. Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist als „Entwicklungs-Nationalpark“ ausgewiesen, in dem die ehemals bewirtschafteten Wälder etappenweise aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen und zurück an die Natur gegeben werden. Das ganz wesentliche Instrument dieser Entwicklung ist eine Zonierung der Nationalparkfläche in einen Bereich „wo nichts mehr gemacht wird“ (Prozessschutz) und in einen anderen, wo der naturferne Wald erst in einem definierten Zeitraum von 40 Jahren (bis 2030) durch waldbauliche Maßnahmen in einen naturnäheren Zustand gebracht wird (Prozessgestaltung), um später auch der Naturentwicklung überlassen zu bleiben. Der Nationalpark besitzt 8.664 ha Waldfläche, das sind 92,54 % der Gesamtfläche (9.362 ha).

  • Seit der Forsteinrichtung von 1998, so wie eingegangen in der NLPR-VO von 2003, beträgt die „Zone A (Naturzone)“, also die Zone, in der schon jetzt keine Nutzungen und Eingriffe mehr getätigt werden, 3.490 ha (37,3 %).
  • Die „Zone B (Entwicklungszone)“ beträgt 5.390 ha (52,6 %) und umfasst jenen Teil der Waldflächen, die weniger naturnah sind und in denen noch durch Waldumbau ein naturnäherer Zustand erreicht werden soll. Das dabei anfallende Holz, meist Fichte, wird wirtschaftlich genutzt.
  • In der „Zone C (Pflegezone)“ – 470 ha (5,1 %) – wird keine Naturwaldentwicklung (Prozessschutz) verfolgt, sie umfasst Offenland und Kulturlandschaft bzw. Waldbereiche in Siedlungsnähe, in denen dauerhaft eine Pflege notwendig ist.
    Prozentuale Zonenanteile im Nationalpark Sächsische Schweiz (Stand 2012)

    Prozentuale Zonenanteile im Nationalpark Sächsische Schweiz (Stand 2012) / Grafik: Archiv Nationalparkverwaltung

Perspektivisch wird die Zone B wegfallen und ein Großteil von ihr wird in der Zone A aufgehen, die dann mindestens 75 % betragen soll. Die Zone C würde dann auf max. 25 % anwachsen. Doch schon jetzt werden weitere Teilbereiche der Zone B nicht mehr planmäßig gepflegt und somit vergrößert sich die Zone A faktisch auf 4.960 ha (57 % der Waldfläche bzw. 54 % der Gesamtfläche). Nähere Ausführung finden Sie im Heft 7 der Schriftenreihe Nationalpark Sächsische Schweiz.

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