Bergsport



"Der Hunger eines Kletterers nach dem Klettern ist unersättlich."


Mark TWAIN   ("Bummel durch Europa", 1880)

„Die Eroberung des Unnützen"


hat Lionel Terray das Bergsteigen nach der Erstbegehung der Annapurna im Jahre 1950 genannt.

Andererseits übt es auf viele eine ausgesprochene Faszination aus.

Der besondere Reiz des Kletterns als eigenständige Form des Bergsteigens liegt dabei neben der sportlichen Herausforderung und Selbsterfahrung vor allem im hohen Naturerlebniswert.

Klettern bietet körperlichen Ausgleich, fördert Erfolgswillen und Fairness, vermittelt Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl, ist oft pure Freude an der Bewegung im Freien und intensiviert damit das Lebensgefühl.

Und darüber hinaus birgt es auch die Chance, für den Schutz der Natur sensibilisiert zu werden.

Felsen und Felslandschaften


… gehören allerdings zu den empfindlichen Lebensräumen, in denen viele selten gewordene oder gar vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten vorkommen.

Das Klettern wurde im Laufe der Zeit zu einem Breitensport und die zunehmende Zahl an Kletterern, denen nur ein begrenztes Felspotenzial zur Verfügung steht, führt vielerorts zu einer hohen Nutzungsintensität. In dem Fall kann es zu nach-haltigen Beeinträchtigungen und Störungen der Flora und Fauna kommen.

Zu Beeinträchtigungen der Natur in den Klettergebieten kommt es vor allem bei häufiger Frequentierung durch viele Kletterer.

Unkenntnis und mangelnde Sensibilisierung der Kletterer hinsichtlich der naturschutzfachlichen Gegebenheiten spielen dabei eine große Rolle.

Zu den Beeinträchtigungen zählen Trittschäden an Pflanzen und Bodenerosion im Zugangsbereich, am Felsfuß und auf den Felsriffen sowie am Gestein selbst.

Zum anderen können im Fels und in den Felsbereichen brütende Vogelarten stark gestört werden – mitunter reicht bei ungünstigen Bedingungen eine einzige Störung, so dass diese ihren Brutplatz und ihre Brut aufgeben.

Lenkungskonzepte


Auf Grund zunehmender Beeinträchtigungen kam es in der Vergangenheit in vielen Gebieten Deutschlands und in anderen europäischen Regionen zu teilweise erheblichen Konflikten zwischen Klettersport und Naturschutz und in dessen Folge zu Gebietssperrungen oder gravierenden Einschränkungen (Menerbes, Eifel, Hönnetal, Sauerland, Schwäbische Alb, Basler Jura).

Die bessere Alternative ist die gemeinsame Erarbeitung von Gebiets bezogenen Kletterkonzeptionen durch die regionalen Kletterverbände und die zuständigen Naturschutzvertreter.

In diesen Konzeptionen werden die zum Klettern freigegebenen und die gesperrten Felsen und Felsbereiche festgelegt.

Darüber hinaus werden Maßnahmen vereinbart, um eine Reduzierung der entstandenen und eine Verhinderung potenzieller Beeinträchtigungen zu gewährleisten und ausreichend Rückzugsgebiete zu erhalten:

  • Kanalisierung der Kletterer durch Lenkungsmaßnahmen (Markierung und ggf. Anlegen von Zugängen),
  • zeitlich befristete und räumlich begrenzte Sperrungen von Felsen und Horstschutzbereichen sowie
  • die weitgehende Information der Kletterer.

Das Einhalten der regional spezifischen Regelungen und Lenkungskonzepte, die von beiden Seiten erarbeitet (und respektiert u n d umgesetzt!) werden, dienen dem Schutz der Natur und sichern längerfristig auch die Klettermöglichkeiten.

"Ich verwerfe die Auswüchse des Kletterns. Dieses selbst ganz zu verbieten, ist jedoch ein falscher Grundsatz. Das Klettern ist ein derartig schöner und gesund-heitlich so beachtenswerter Sport, dass man durch Verbieten desselben unserer Jugend gar nicht wieder gutzumachenden Schaden zufügen würde.
Den Kletterern mehr Disziplin und etwas mehr Rücksichtnahme auf die übrige Menschheit – den Gegnern des Kletterns etwas mehr freundliche Nachsicht und Gerechtigkeit – und beiden mehr Zusammengehen und kein Befehden."

Verfasser nicht bekannt, 1908

(Auszug aus „Heimatschutz und Klettersport“ in „Ueber Berg und Thal“, Band 8, Jahrgang 31, Nr. 3)

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Aktuelle zeitliche Sperrungen an Klettergipfeln Stand 26.5.112011 (57 kByte)

Datum: 2009-02-19 14:32