Ungebrochene Faszination der Landschaft ?
Meist liegt bei künstlerischen Betrachtungen zur Sächsischen Schweiz der Schwerpunkt auf der Malerei des 19. Jahrhundert. Zu Unrecht. 2001 stellt Katja Mieth, bis Ende 2005 Leiterin des Sterl-Hauses in Naundorf, fest:
„Erstmalig widmet sich eine Austellung der Sächsischen Schweiz und ihrer inspirierenden Wirkung auf die Kunst des 20. Jahrhunderts.“
Ausstellung Jahrhundertrückblick im
Stadtmuseum Pirna
Beim Jahrhundertrückblick im Pirnaer Stadtmuseum waren mehr als 80 Werke von 72 Künstlern präsentiert. Es zeigte sich, dass die Elbsandsteinlandschaft auch im 20. Jahrhundert Anreiz bieten kann, sich künstlerisch mit ihr auseinanderzusetzen.
Wieland Försters hartem Urteil, das nur Friedrich und Blechen gelten läßt „Danach, meines Wissens, nichts mehr von Belang. Nur Heimatkunst, verklärtes Erschauern in Aquarell und Öl.“, wurde hier relativiert.
Es scheint, als zeigten die Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine gewisse Scheu, ins Elbsandsteingebirge zu gehen und dort ihre Motive zu suchen. War es „etwa die Angst, in die klischeehafte Romantik der kolorierten Drucke des 19. Jahrhunderts abzugleiten“ (Mieth)?
Es waren sicher nicht in erster Linie künstlerische Gründe, daß sich nach 1918 verschiedene Künstler aufs Land, und auch in die Sächsische Schweiz, zurückzogen. In Obervogelgesang bildete sich eine regelrechte Künstlerkolonie (Oehme, Siebert, Stief, Junghans) heraus. Robert Sterl ließ sich 1919 in Naundorf nieder. Der erst jetzt wiederentdeckte Pol Cassel lebte mit seiner Familie in den 1930er Jahren in den Steinbrüchen von Wehlen.
Auch in jünster Zeit ist zu beobachten, daß sich verschiedene Maler in der Nähe der Sächsichen Schweiz niedergelassen haben (Hermann Naumann, Jochen Fiedler, Uwe Peschel u.a.).
Otto Lange, Peter August Böckstigel, Herbert Fischer-Geising stehen für eine Reihe von Künstlern, die immer wieder in der Sächsischen Schweiz wanderten und arbeiteten.
1995 fand auf dem Brand ein Plenair statt, das zeitgenössische Künstler wie Klaus Drechsler, Angela Hampel oder Wolfgang Kühne in die Sächsische Schweiz zog.
Mit Idylle haben das Gemälde "Elbsandsteingebirge" von Otto Dix (1938) und noch weniger der "Labyrinth-Zyklus" von Wieland Förster (1974-85) nichts zu tun. Hier geht es um existenzielle Fragen, für die das Elbsandsteingebirge lediglich den Hintergrund bildet.