Die fotografische Erschließung des Elbsandsteingebirges
Mit der Entdeckung der Elbsandsteinlandschaft durch die Maler Ende des 19. Jahrhunderts war das Fels-Wald-Gebiet beiderseits der deutsch-böhmischen Grenze eindrucksvoll ins Bewußtsein der Menschen gerückt worden. Das kleine Felsenland genoß bald internationalen Ruf und ein Besuch gehörte zum Standardprogramm der Dresdenbesucher.
Hermann Krone in seinem
Atelier
Diese Situation fand der 22jährige Hermann Krone vor, als er 1849 aus Breslau nach Dresden kam. Er war in technischen und naturwissenschaftlichen Fragen sehr engagiert und erfolgreich. Schon als 16jähriger hatte er sich mit der Fotografie beschäftigt.
Von Dresden aus zog er mit seiner riesigen Holzkamera in die Sächsische Schweiz. Er folgte den Spuren der Maler und begann, die Landschaft systematisch abzulichten.
Er begründete die fotografische Erschließung der Sächsischen Schweiz und legte damit den Grundstein für eine über Generationen lückenlose fotografische Darstellung.
Als 1864 die Sächsische Schweiz für den Klettersport entdeckt wurde, kam schließlich noch eine weitere Facette hinzu, die für das Felsengebirge weitreichende Folgen hatte und auch für Dresden bedeutsam war.
„Dresden kann heute als diejenige Großstadt bezeichnet werden, unter deren Bevölkerung nächst München und Wien das regste Interesse und der größte Ernst für die Bergsteigerei zu finden ist“,
stellt 1908 der damals 38jährige Rechtsanwalt, Bergsteiger und Fotograf Dr. Gustav Kuhfahl (1870 - 1938) im Jahrbuch des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins fest. Nicht ohne Grund ist die Bedeutung des Klettersportes für die Elbsandsteinfotografie herauszuheben. Denn für kletterkundige Fotografen erschlossen sich Standorte, die Nichtkletternde nie erreichen konnten.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Reihe von Vereinen gegründet. Neben Sektionen des Alpenvereines war es vor allem der Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz (1877), der sich zum Ziel setzte, die Sächsische Schweiz touristisch zu erschließen.
Vor allem für die Vereinszeitschrift „Über Berg und Thal“ (1878) wurde aussagekräftiges Bildmaterial benötigt. Das junge Medium Fotografie bot die Möglichkeiten, mit „handwerklichem“ Geschick, ohne künstlerische Vorbildung, die Nachfrage nach guten Illustrationen schnell zu befriedigen. Die erste Fotografie in „Über Berg und Thal“ wurde allerdings erst 1893 abgedruckt. Es war die Aufnahme eines Strudelloches im Lomnitztal, Fotograf war eine Frau (!) Krausta (Nr. 11, 16. JG, 1893)
Der Fotografie fällt bei der Entwicklung der Sächsischen Schweiz als Naherholungs-, aber vor allem als überregionales Reisegebiet eine bedeutende Rolle zu. Hermann Krone eröffnete 1852 seine „Photographische Portrait- und Lehranstalt“ in Dresden.
Es folgte eine heute nicht mehr überschaubare Reihe von Kunstverlagen, die sich vorwiegend der Herstellung von Postkarten widmeten.
Die Postkarte als Massenbedarfsartikel hat der Entwicklung der Elbsandsteinfotografie wesentliche Impulse verliehen.
In den Publikationen zur Sächsischen Schweiz um die Jahrhundertwende findet man eine beachtliche Reihe von Namen, die sich fotografisch mit dem Felsengebirge beschäftigten. Im Buch „Monographien der Erdkunde, Dresden und die Sächsische Schweiz“ von Prof. Sophus Ruge, das 1903 erschien, sind 84 Aufnahmen von zehn Fotografen abgedruckt.
Der Einfluß der Wander- und Bergsteigerbewegung auf die Elbsandsteinfotografie war von Anfang an sehr groß. Das intensive Landschafts- und Naturerlebnis beim Unterwegssein im Elbsandsteingebirge, und zwar nicht nur auf den Hauptrouten, schlug sich in der fotografischen Auseinandersetzung mit dem Felsengebirge unmittelbar nieder. Man sieht sowohl bei der Motivwahl, als auch bei der Umsetzung (Fotostandpunkte ect.) sofort, aus welcher Richtung der Fotograf kam. Beispielhaft sei hier Walter Hahn (1889-1969) zu nennen.
1908 wurde der Landesverein Sächsischer Heimatschutz gegründet. Von 1908 bis 1941 gab er die Mitteilungen des Landesvereins Sächsicher Heimatschutz heraus. Die berühmten grünen Hefte hatten eine außergewöhnliche Qualität und bestachen durch ihr hervorragendes Bildmaterial, das über Jahrzehnte vom Dresdner Fotografen Max Nowak (1881-1956) fotografiert wurde.
Während bis zum zweiten Weltkrieg die professionelle Fotografie weitgehend mit der Plattenkamera betrieben wurde, kam ab 1950 die Mittelformat- und später auch die Kleinbildfotografie mehr und mehr zum Einsatz, obwohl schon 1932 in Dresden mit der Kontax die erste Kleinbildkamera mit perforiertem Kinofilm entwickelt wurde.
Es ist heute nicht mehr vorstellbar, unter welchen Bedingungen die Pioniere der Fotografie arbeiten mußten. Das Belichten der fotografischen Platten war noch das Wenigste. Das Entwickeln, Wässern und Fixieren vor Ort war das eigentliche Problem. Der Bericht Krones über seine legendäre Photographische Landschaftstour vermittelt anschaulich die Schwierigkeiten jener Zeit.