Als ein Glücksfall erwies sich die nahezu fanatische Begeisterung des Breslauers Hermann Krone (1827-1916), der schon als sechzehnjähriger mit dem neuen Medium zu experimentieren begann.
Krone ließ sich in Dresden nieder, wurde der erste Landschaftsfotograf Sachsens und begründete die Fotografie des Elbsandsteingebirges. Er folgte dabei den Spuren der Maler. Anregungen bekam er sicher auch von Ludwig Richter, bei dem er 1849 an der Kunstakademie studierte.
Krone erwies sich bald als intimer Kenner der bizarren Elbsandsteinlandschaft. Aber nicht nur diese fotografierte er. Er war in Böhmen, im Riesengebirge und Harz unterwegs. Er fotografierte Breslau, Potsdam und Berlin und erhielt schließlich den Auftrag für das sogenannte Königsalbum. Er gründete die Photographische Gesellschaft Dresdens und beschäftigte sich intensiv mit der Druckwiedergabe von Fotos. Anfangs war das noch sehr problematisch. So ließ Krone Radierungen und Stiche nach eigenen Fotos anfertigen und vertrieb diese, weil die Drucktechnik größeren Bedarf noch nicht befriedigen konnte. Krone betrieb schon 1864 in Dresden ein eigenes Atelier.
Hermann Krone als erster Fotograf des Elbsandsteingebirges setzte mit seinen Werk hohe Maßstäbe und hinterließ eine große Anzahl belichteter Fotoplatten, die glücklicherweise zum großen Teil erhalten sind. Im Zusammenhang mit der großen Kroneausstellung in Dresden erschienen verschieden Publikationen wie die Erste fotografische Landschaftstour in die Sächsische Schweiz. An einem Felsen an der Basteibrücke lesen wir heute die in Stein gegrabene lateinische Inschrift (Hermann Krone zeichnete hier als erster mit Licht, 1853):
HERMANN KRONE HIC PRIMUS LUCE PINXIT MDCCCLIII
„Die Sächsische Schweiz, eine Wanderung in Wort und Bild“ (Bild) ist ein großformatiger Prachtband, den 1893 Emil Oliva´s Buchhandlung in Zittau herausgibt und der 20 Vollbilder in photographischem Kunstdruck, „aufgenommen und ausgeführt“ von Dr. E. Mertens & Co. in Berlin enthält. Die bestechende Qualität der Aufnahmen verdeutlicht den ernormen Fortschritt, den sowohl die technische Seite als auch die Fotochemie genommen hatte. Die Motivauswahl ist eindeutig vom sogenannten Malerweg bestimmt. Allerdings finden sich auch reine Naturbilder wie „Waldpartie in der Gegend des Zschirnsteines“,
Gustav Kuhfahls (1870 - 1938) publizistischen Neigungen verdanken wir eine zusammenfassende Darstellung der Elbsandsteinkletterei für das Jahrbuch des Deutschen und Österreichischen Alpen-Verein vom Jahr 1906. Der umfangreiche Text ist mit zwei Fotos und Zeichnungen nach Kuhfahlfotos illustriert. Leider sind scheinbar fast alle Elbsandsteinfotos von seiner Hand verschollen, so daß wir uns heute kein Bild über seine Leistungen machen können. Ein Artikel Kuhfahls über die Farben und Formen des Elbsandsteingebirges zeigen jedoch, wie kritisch er sich mit der Landschaft auseinandergesetzt hat . 1907 schrieb er an Prof. Meiche, den damaligen Schriftleiter von Über Berg und Thal folgenden Brief:
„Sehr geehrter Herr Doktor! Besten Dank für Ihre freundlichen Zeilen. Ich denke gar nicht daran, Jemanden zu grollen und überlasse Ihnen gern die Bilder zum Abdruck. Vielleicht können Sie sich sogar die Klisches von den Phot(ographischen) Mitteilungen verschaffen. Daß die Sächsische Schweiz übrigens doch nicht so unmalerisch ist, habe ich soeben erfahren, denn ich habe für ein paar Aufnahmen, die das österreichische Handelsministerium von mir auf der Mailänder Weltausstellung ausgestellt hatte, die goldene Medaille bekommen. Als Kunstbeilage will ich Ihnen einen größeren ..druck des Falkensteins überlassen und auch etwas dazu schreiben. Die Zeit bleibt mir nur leider nicht, da ich für die Intern. Phot. Ausstellung die Vorarbeiten erledigen muß.
Ergebenst Kuhfahl“
Mindestens 180 Hefte des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz (Bild) hat Max Nowak (1881 - 1956) als Fotograf wesentlich mitgestaltet. Die Themen waren breit angelegt und betrafen alles, was schutzwürdig war in Sachsens Natur- und Kulturlandschaft. Die Grundhaltung des Heimatschutzvereines bestimmte auch die fotografische Sichtweise Nowaks: das Schützenswerte sichtbar machen! Das tat er auf beeindruckende Weise. Seine Aufnahmen waren kraftvoll durchgezeichnet und wilde Landschaftsausschnitte schienen seinem Naturell zu entsprechen. Seine Handschrift war unverwechselbar. Aufnahmen, wie die vom Kleinen Zschand (Bild) setzten Maßstäbe, die noch heute gültig sind.
Auch Walter Hahn (1889 - 1969) fotografierte schwarz-weiß und mit Plattenkameras. Besonders hervorzuheben ist, daß der junge Hahn enge Kontakte zum sächsischen Bergsteigen hatte. Er dokumentierte über viele Jahre eine der glanzvollsten Epochen der bergsteigerischen Erschließerzeit. Vor allem durch die Fähigkeit, selbst klettern zu können, erschlossen sich ihm alle Möglichkeiten, selbst komplizierteste Kamerastandpunkte zu erreichen.
Damit legte er die Meßlatte für alle Epigonen sehr hoch: wer ähnlich tiefe Einblicke in die Geheimnisse der Elbsandsteinwelt anstrebte, mußte als Handwerkszeug die Grundfertigkeiten des Kletterns parat haben. An allen Bildern ließ sich fortan ablesen, aus welcher Schule der Elbsandsteinfotograf kam.
Walter Hahn wurde frühzeitig durch selbstgefertigte Postkartenhandabzüge einem großen Kreis bekannt. Schon zu Lebzeiten waren diese begehrte Sammlerobjekte. Mit seinen späten Landschaftsaufnahmen von der Sächsischen Schweiz zog einer ihrer intimsten Kenner noch einmal künstlerische Bilanz. Ernst und groß bildet er den Landschaftsraum ab. Bei den weiten Landschaften ordnet er den Wolken die entscheidente Rolle zu. Seither spricht man in der Sächsischen Schweiz von Hahn-Wolken.
Rudolf Kobach (1903-1981) war zumindest in Bergsteigerkreisen vor dem 2. Weltkrieg als Kletterfotograf bekannt. In Preschers "Geologie des Elbsandstein- gebirges" (1959) stammen die meisten Fotos von ihm.
Wenn auch der Dresdner Walter Möbius (1900 - 1959) nicht als ausgesprochener Elbsandsteinfotograf zu nennen ist, so hat er als erster Fotograf der 1924 gegründeten Sächsischen Landesbildstelle (heute Deutsche Fotothek Dresden in der SLUB) starke Berührungspunkte zur Sächsischen Schweiz. Unmittelbar nach dem Krieg arbeitete er wieder in der Landesbildstelle und schließlich in der Deutschen Photothek, die aus der Landesbildstelle hervorging.
Das erste wichtige Buch nach dem 2. Weltkrieg über das Elbsandsteingebirge war „Die Entdeckung der Sächsischen Schweiz“ von Heinz Klemm (Sachsenverlag, 1953).
Der weitaus größte Teil der Aufnahmen stammten von Willy Pritsche (1911 - 1997) Er wies sich als fundierter Kenner der Landschaft aus. Seine Fotos zeichneten ein poetisches Bild der Elbsandsteinlandschaft.
Der Heimatdichter Bruno Barthel merkte in einem Brief an den Fotografen Pritsche im Januar 1954 kritisch an, daß in dem Buch „nur die großen Brocken“ behandelt seien. Er möchte ein Elbsandsteinbuch machen, abseits der Hauptanziehungspunkte, „am Rande der Wanderstraßen“. Hierzu möchte er Pritsche als Fotografen gewinnen.
Die kurze Freundschaft zwischen dem agilen 70jährigen Bruno Barthel und dem 26 Jahre jüngeren wird durch den überraschenden Tod des Heimatdichters jäh beendet. Die Briefe Barthels an Pritsche sind interessante Zeitdokumente über die Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden und über die Herangehensweise eines intimen Kenners der Landschaft, der dem Fotografen deren Geheimnisse zeigen will. Mit Sicherheit hat Willy Pritsche viel davon bei seinen künftigen Arbeiten über die Sächsische Schweiz verwenden können.
Der Pritsche-Bildband vom Elbsandsteingebirge ist Jahre später im Brockhaus-Verlag erschienen. Den kenntnisreichen Text schrieb Reimar Gilsenbach. Das bemerkenswerte Buch erfuhr 1967 eine zweite Auflage, dem einige der schönsten Aufnahmen zugunsten Bildern von der „Klasse der Werktätigen“ weichen mußten
Rudolf Seifert (1910 - 1993) war es nicht vergönnt, seinen Wunsch nach einem eigenen Buch über die Sächsische Schweiz erfüllt zu sehen. Er hat jahrelang Bilder zurückgehalten, die er nicht „vorab vergeuden“ wollte. Dietrich Hasse und Heinz-Lothar Stutte haben eine Reihe Seifert-Fotos in ihrem fulminanten Buch Felsenheimat Elbsandstein-gebirge (1979)veröffentlicht und damit dem Fotografen ein Denkmal gesetzt. Rudolf Seifert war in Bergsteigerkreisen weithin bekannt. Er ist gewissermaßen das Bindeglied zwischen der dritten Fotografengeneration und den Altmeistern der Elbsandsteinfotografie.
Zur dritten Fotografengeneration gehört Karl Däweritz (geb. 1935), ein exzellenter Kletterfotograf, der das in seinem Buch Klettern im Sächsischen Fels dokumentiert.
Der Leipziger Fotograf Sieghard Liebe hat sich neben Hochgebirgs-themen auch immer wieder mit der Sächsischen Schweiz beschäftigt, wie sein 1974 erschienener Bildband (vorwiegend schwarz-weiß) zeigt.
Heinz Lothar Stutte (geb.1937), der als Wahlmünchner keine technischen und ideologischen Beschränkungen kannte, setzte Maßstäbe in der Farbfotografie. Als Fotograf und Herausgeber hat er mit Felsenheimat Elbsandsteingebirge ein außergewöhnliches Buch geschaffen.
Dieter Gutmann (geb. 1934) machte vor allem mit bemerkenswerten Schwarz-Weiß-Aufnahmen (in DuMont-Führer "Richtig Wandern"Sächsische Schweiz, 1. Aufl.) auf sich aufmerksam. 1989 erschien sein Bildband "Sächsische Schweiz".
Der unermüdliche Wolfgang Krammisch (geb. 1938)arbeitet noch heute mit der Plattenkamera und hat mit großformatigen Kalendern beeindruckende Landschaftssichten bekannt gemacht. 1999 gewann er einen Preis bei einem von GEO ausgeschriebenen Fotowettbewerb über die deutschen Nationalparke.
In Udo Pellmanns (geb. 1942) breit angelegtes fotografisches Profil paßt, dass er 1993 einen bemerkenswerten Bildband zu unserem Gebiet vorlegte.
Frank Richter (geb. 1945) fotografisches Spektrum zur Sächsischen Schweiz ist sehr breit angelegt. Umfassende Landschaftskenntnis, historisches und geologisches Interesse, die Beschäftigung mit der Kunst des Elbsandsteingebirges und eine tiefe Verbundenheit zur Landschaft sowie die berufliche Seite als Naturschützer schlagen sich in seinen Bilder nieder. Bemerkenswert sind die Fotodokumente von den Erstbegehungen des bekannten Hohnsteiner Kletterers Bernd Arnold, den er mehr als zehn Jahre mit der Mittelformatkamera begleitete.
Zu den jüngeren Fotografen gehören Bernd Grundmann, der 1993 einen Farbbildband vorlegte und vor allem Helmut Schulze, der ein besonderes Gespür für außergewöhnlichen Stimmungen hat und der frischen Wind in die hiesige Kletterfotografie brachte.
Die Böhmische Schweiz hat ihre eigenen Fotografen hervorgebracht, die sich auf beeindruckende Weise mit ihrem Teil des Elbsandsteingebirges beschäftigt haben. Von der älteren Generation ist Karel Gregor (geb. ) aus Prag zu nennen, der ein riesiges Bildarchiv erarbeitet hat.
In den letzten Jahren sind es vor allem vier tschechische Fotografen, die mit Buchveröffentlichungen auf sich aufmerksam machten. Vladimir Shirlo (geb. 1950 ), Fotograf des Museums von Decin gab den Bildband Böhmische Schweiz heraus.
Zdenek Patzelt (geb. 1960) und Vaclav Sojka (geb. 1963), beide vom Nationalpark Böhmische Schweiz (Patzelt ist der Leiter der Nationalparkverwaltung), veröffentlichten gemeinsam einen großformatigen Prachtband zur Böhmischen Schweiz.
Beim Bildband Sächsisch-Böhmische Schweiz (2004, gemeinsam mit Frank Richter) stammen die Fotos der böhmischen Seite vom Berufsfotografen Bohumil Eichler (geb. 1954) aus Decin. Er fotografiert u.a. auch mit einer Panoramakamera.










