Landschaft für Romantiker

Caspar David Friedrich, der Norddeutsche, hat im Elbsandsteigebirge sein Bergerlebnis. Er sieht in der Ferne das Idealbild eines Berges, den Rosenberg. Die edel geformte Pyramide des vulkanischen Kegelberges wird ihm zum Wanderziel.

Er hält verschiedene Perspektiven in seinem Skizzenbuch fest. Schließlich malt er das geheimnisvolle Bild Gebirgslandschaft mit Regenbogen. Auf dem Weg dorthin durchwandert er das gesamte Sandsteingebirge. „Ich muß mich vereinigen mit meinen Wolken und Felsen...“

Für Friedrich wird das Elbsandsteingebirge zur spirituellen Landschaft.

Nicht ohne Grund entspricht dieses Sandsteinland dem Geist der Frühromantik. Folgerichtig setzt ein Run auf die Landschaft ein, nachdem sie entdeckt war (hauptsächlich durch Adrian Zingg) und am Uttewalder Felsentor wandelt sich die Sicht auf das bisher kaum beachtete Elbsandsteingebirge vom Entsetzen zum Entzücken (Hoch).

Hermann Lemme bezeichnet den freistehenden Falkenstein als Gralsburg.

Auf dem Lilienstein, dem König der Tafelberge, der oft im nebelgefüllten Elbtal erhaben über der Landschaft "schwebt", schreibt der Dresdner Gelehrte Karl Chr. Fr. Krause (um 1808) an seiner "Ästhetik", "Ich arbeite oben auf dem Berge, in Gottes freier Natur, einen wichtigen Teil meines Manuskriptes."

Falkenstein und Lieleinstein überm Nebelmeer - Frank Richter, Dresden

Was ist es, das unsere Landschaft heraushebt aus der Beliebigkeit?

  • die Formenvielfalt (Schluchten, Felsenriffe, Felshörner, wuchtige Tafelberge im Wechsel mit lieblichen Ebenheiten)
  • die Naturerscheinungen (die häufigen typischen Nebel, die totale Änderung des Landschaftseindruckes z. B. durch den Winter)
  • das Wechselspiel von Licht und Farben (das Licht, das die Felsstrukturen hervorhebt; die jahrezeitlichen Farben des Waldes)

Die Landschaft des Elbsandsteingebirges bezieht ihre Kraft aus dem natürlichen Zustand, in dem sie sich befindet: Flüsse oder Bäche, die noch „schwingen“ können, weil man sie nicht begradigt hat. Felsen, die sich frei und stolz erheben. Eine Landschaft, deren Seele nicht verbaut ist (zumindest in weiten Teilen). So bietet sie den Menschen, die auf der Suche nach Individualität sind, die ideale Projektionsfläche, zur Zeit der Romantik, in Zeiten der Barbarei, heute...

Wieland Förster, zeitgenössischer Bildhauer, Maler und Schriftsteller charakterisiert die Sächsische Schweiz "als Ganzes ... dämonisch, eine bedrohliche, grandiose Realität, die auf Grund ihres unfaßlichen Reichtums an Formen ins Mythische umschlägt".

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Datum: 2008-12-11 11:27