Musiker

Sächsische Schweiz - Landschaft für Musiker ?

Der Nobelpreisträger Karl Gjellerup preist in seinem Roman "Seit ich zuerst sie sah" die Sächsische Schweiz als die musikalische Landschaft:

"Für jeden, der deutsche Musik liebt - und wer liebt sie nicht ? - bergen diese schattigen und wasserreichen »Gründe« einen Stimmungsreichtum, der nur  musikalisch ausgedrückt werden kann. Es ist, als ob Schumanns Männerchor von den hohen Säulen der Fichten zu uns herniedertönt, »wenn's still zum Abend wird« im Bergwald, der klare, forellenreiche Mühlenbach rauscht eine  Schubertsche Melodie, und Webers Waldhorn hallt in dem wilden Felsenlabyrinth wider, von der »Wolfsschlucht« bis hinauf zu den »Habichtzinnen«, die uns wie wundervolle Kulissen für den Freischütz anmuten. Richard Wagner aber fordert die erhabene Szenerie der Rheingegend. Nichtsdestoweniger blieb ich eines Tages vor einer kleinen Felsennische stehen, in der eine einfache Bank, aus einigen dünnen Pfählen und einem handbreiten Brett bestehend, angebracht war. Auf der rauhen Steinwand war die großartige Inschrift »Wotans Ruhe« zu lesen."

Carl Maria von Weber

Carl Maria Weber -
Denkmal am Dresdner
Zwinger
Foto Frank Richter

Konkret, was das Musikalische betrifft wird es leider nur bei Carl Maria von Weber mit dem berühmten Freischütz. Der Librettist findet für die Wolfschluchtszene das Vorbild in der Sächsische Schweiz. Weber zaubert eine Stimmung hervor, die bis heute nichts von ihrer Kraft eingebüßt hat. Die Wolfschluchtszene ist zweifellos der musikalische Höhepunkt der ganzen Oper.

Weber drückt das neu gefundene Naturgefühl durch intensive Klangwirkungen aus. In der ganzen Wolfschluchtszene herrscht ein Prinzip: das Abwechseln von Totenstille und Bewegung, um die Spannung zu erhöhen. Zum Beispiel beim Kugelgießen: Nach jeder fertigen Kugel tritt zunächst Totenstille ein, bevor die Geistererscheinungen auftauchen. Weber treibt die Lautmalerei auf die Spitze und erzielt schauerliche Wirkungen.

Zentner (Musikpsychologe):

„Die Romantik ist die Mutter einer ausgesprochenen
Landschaftskunst, von der sie ahnte, daß ihr eine reinste, höchste und letzte Verwirklichung in der Musik werden könne. Denn es ging hier nicht um eine naturalistische Wiedergabe, die höchstens imstande gewesen wäre, das äußere Bild der Natur zu erfassen, denn alles im romantischen Wesen ist im Grunde Inbild, Reflex ... Selbst die Wolfschluchtmusik, die scheinbar mit eindeutigen Tonmalereien nicht zurück hält, will unter diesem Aspekt betrachtet sein. Sie ist durchaus nicht nur die realistische Schilderung einer wilden Sturmnacht, sondern der Widerschein einer solchen in der aufgewühlte Einbildungskraft der beiden Jägerburschen.“

Friedrich Kind, der Dichter des Freischütz, soll sich durch die Höhle im Amselgrund anregen lassen haben (Werte der deutschen Heimat). Hans Christian Andersen ruft 1831, als er am Hockstein durch die Wolfschlucht steigt, die berühmten Worte "Hilf Samuel, hilf". So sehen viele dort das Vorbild für die wilde Schlucht in der romantischen Oper. Wir wissen es nicht genauer.

Richard Wagner

Richard-Wagner-
Denkmal im
Liebethaler Grund
Foto: Frank Richter

Ein zweiter Großer, der mit dem Musikalischen der Sächsischen Schweiz in Verbindung gebracht wird ist Richard Wagner.
Er hatte sich einen dreimonatigen Erholungsurlaub errungen, den er in Graupa verlebte:

"Häufige Ausflüge auf den Porsberg, nach dem nahen Liebethaler Grunde, auch nach der entfernteren Bastei trugen bald zur Stärkung meiner angegriffenen Nerven bei".

Wagner hat Schwierigkeiten, die Musik der Rossini-Oper "Wilhelm Tell", die er zuletzt dirigiert hatte aus seinem Kopf zu bringen. Er erfährt im Liebethaler Grund die großartige Stimmung des tosenden Wildbaches und genießt die befreiende Wirkung der Naturklanges. Er sucht mehrfach die Lochmühle auf und entwirft dort seinen Lohengrin. Heute steht dort das wuchtige Richard-Wagner-Denkmal.

Louis Spohr (1784- 1894) ein seinerzeit sehr geschätzter Komponist weilte mehrfach in Dresden und besuchte auch die Sächsische Schweiz. Seine "lustigen Wanderungen" verarbeitete er in der Sonate für Bratsche und Klavier, op.96.

Königstein und seine Musiker

Es ist auffallend, dass sich gerade mit dieser kleinen Stadt unter der Festung Königstein über Generationen hinweg eine Reihe von Musikern in Verbindung bringen läßt. Sei es, dass sie hier geboren wurden oder gewirkt haben. Inwieweit die Landschaft ihre Musik beeinflußt hat, wurde bisher nicht untersucht. (Übersicht)

Böhmische Schweiz und Musik

Bemerkenswert ist, daß die Böhmische Schweiz weit mehr Berührungspunkte zu Musikern aufzuweisen hat. Die Musikalität der Böhmen ist ja sprichwörtlich.

Hana Hentschelová hat einiges zu diesem Thema zusammengetragen:

"Die romantische, blendende, dramatische, manchmal melancholisch stimmende Landschaft des Elbsandsteingebirges mit ihrer Vielfalt an Naturszenen wirkt sich tagtäglich auf die hier lebende Bevölkerung aus, ohne dass sich die Menschen dessen bewusst sind. Sie hat auf diese Weise nicht nur die hiesigen, sondern auch einige von den berühmten Komponisten der Welt beeinflusst."

Taddäus Palme (geb. 1756 in Schönlinde - Krasná Lípapa) wird auch als „Beethoven Nordböhmens bezeichnet. In seinem Heimatort war er ein bedeutender Musiker, Organist, Lehrer und Dirigent. Seine Kirchenmusik ist umfangreich und in seiner Zeit war sie auch anderswo in Böhmen bekannt.

Anton Rösler (geb. 1775 in Nixdorf / Mikulasovice) komponierte sowohl Kirchen als auch profane Musik, und der Stil seiner Komposition ist sehr ähnlich wie bei Mozart. Bisher wurden lediglich zwei seiner Kompositionen gefunden und zwar 1994 im Kirchenturm in Groß Schönau (Velky Senov).

Franz Bendel (geb. 1832 in Schönlinde / Krásná Lípa) war ein Schüler von Josef Proksch in Prag, danach studierte er in Weimar bei Franz Liszt, dessen Lieblingsschüler er war. Ein vielseitiger Komponist, Autor von insgesamt 141 Werken, vor allem Kammermusik, auch viel für Klavier. Er war ein hervorragender Pianist seiner Zeit und wurde Professor in Berlin.

Sigmund Glanz (geb. 1843 in Schönlinde/ Krásná Lípa) studierte an der Prager Organistenschule, an der Antonih Dvorák sein Mitschüler war. Dieser wurde im Absolventenjahrgang erst mit der zweiten Stelle hinter Glanz bewertet. Als Musikdirektor und Komponist war Glanz mit Erfolg in Tetschen tätig.

Gustav Jakob Kny (geb.1852 in Vilémov) war ein vielseitiger Komponist profaner und kirchlicher Lieder. In seinen Kompositionen für Klavier überwog die Romantik. Er hat die Kinderoper "Märchenprinz" geschaffen.

Pater Franz Vater (geb. 1853 in Chribska / Kreibitz) komponierte überwiegend kleine kirchliche Musik (veröffentlicht unter Cantiones Sacra).

Augustin Stradal (geb. 1860 in Teplice / Teplitz) studierte Rechtwissenschaften in Wien, später Musik bei Anton Bruckner und war Schüler bei Liszt in Weimar. Nach 1918 siedelte er nach Krásná Lípa über, wo er als Komponist und Pädagoge tätig war.

Quelle: Faltblatt SCHKO Labske Piskove, Decin 2002

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Datum: 2007-06-01 09:22