Dichter

Dichter - Inspiration durch die Sächsische Schweiz ?

Die Suche nach dichterischen Zeugnissen zur Sächsischen Schweiz bringt nicht viel zutage. Nur wenige Dichter von Rang haben sich unserer Landschaft gewidmet.
Goethe kam nur bis Pirna. Mehr als ein „unendlich schöner Sonnenuntergang“ vom Sonnenstein findet sich nicht im Tagebuch.
Schiller, obwohl verewigt im Schillersteig bei Langenhennersdorf, war nie in unserer Landschaft.

Heinrich von Kleist erinnert sich 1801 aus Paris an Dresden und das Elbsandsteingebirge:

„Ich sehe die Elbhöhen, die in einiger Entfernung, als ob sie aus Ehrfurcht nicht näher zu rücken wagten, gelagert sind und gleichsam von Bewunderung angewurzelt scheinen - und die Felsen im Hintergrund von Königstein, die wie ein bewegtes Meer von Erde aussehen, und in den schönsten Linien geformt sind, als hätten Engel im Sande gespielt - und die Elbe, die schnell ihr rechtes Ufer verläßt, ihren Liebling Dresden zu küssen ...“

Kleist lebt von 1807 bis 1809 in Dresden. Er verkehrt im Hause Körner, kennt Caspar David Friedrich und Ludwig Tieck, hatte also mancherlei Berührungspunkte zur Sächsischen Schweiz. In sein dichterisches Werk findet sie keinen Einzug.

Der fünfzehnjährige Theodor Körner notiert 1806 sachlich ins Tagebuch

„Große Höhle. Wochenbett. Schöne Aussicht nach Böhmen. Durch die Schlucht hinauf. Zisterne. Durch die andere Schlucht hinunter ins Pfaffenloch. Affenstein. Schwedenloch. Räuberloch. Durch das Nadelloch herunter. In Habichts Grund. Schöner Anblick des Kuhstalls. Nach der Haidemühle, durch den Kirnitzschgrund zurück. 5 Stunden.“



Später schreibt Körner „Die Reise nach Schandau“, ein rührende Liebesgeschichte, in der die Landschaft allenfalls die romantische Kullisse für die inneren Seelenzustände bietet. Eingeprägt hat sich des Freiheistdichters Ausspruch über Schandau als einem Kraft- und Prachtplatz der Natur“.

1831 ist der schwergewichtige Carl Immermann unterwegs auf dem Malerweg und schreibt schreibt einen vergnüglichen Text über seine Eindrücke:

„...Der ist ein Tor, welcher Berge mit seinen Füßen erklimmt, wenn er Träger haben kann. Ich hatte als geschworner Feind des Kletterns und des Keuchens, welches man Naturgenuß zu nennen übereingekommen ist, bei dem Ausrücken das stille Gelübde getan, jedes Transport mittel zu benutzen, und wäre es auch nur ein Esel.“

(gesamter Text)


Der große Märchendichter Hans Christian Andersen ist im selben Jahr im Elbsandsteingebirge unterwegs und schreibt seine berühmte „Reise nach Dresden und die Sächsische Schweiz“. Das ist unbestreitbar die poetischste Schilderung unserer Landschaft. Sie ist in vielen Auflagen erschienen und hat bis heute nichts an Frische und Kraft eingebüßt.

Die Reise fand bei schlechtem Wetter statt und wies manche Mißlichkeiten auf, wie uns das Tagebuch verrät. In den Reisebericht ist diese Stimmung "ich hatte zum ersten Mal recht schlechte Laune!" nicht eingeflossen.

Andersen - Tagebuchauszug (1831)

"Dienstag, den 7. Juni (Lohmen) standen wir um 3 Uhr auf, es war ein grausam kurzes Bett; draußen regnete es….

Auf der Bastei war noch Nebel, doch das Tal in der Tiefe war ganz klar und grün…

Wir gingen mit mehreren anderen Reisenden auf Gebirgswegen zu einem Wasserfall, der über eine Felsenkluft brauste…

Wir krochen durch die Wolfsschlucht und kletterten hinauf nach Hohnstein, wo wir Erdbeeren mit Zucker bekamen. – Ich hatte klatschnasse Füße, was sehr auf mein geistiges Ich einwirkte. In Schandau kaufte ich ein paar Strümpfe (7 Groschen) und ein Paar böhmische Strohschuhe (2 Groschen), das half…

Mittwoch, 8. Juni. Um 4 Uhr verließen wir den Kuhstall.- Herrnskretschen liegt malerisch schön. Felsen zu beiden Seiten und dazwischen die Kirnitz (richtig: Kamnitz), auf der eine ungeheure Menge von Holzstücken schwamm, von Frauen und Kindern mit langen Stangen gestoßen…

Während der Fahrt auf der Elbe, wo wir auch Damen dabei hatten, war es ungeheuer kalt, wir froren wie im Winter…."

Theodor Fontane lernt 1866 die Sächsische Schweiz als Kriegsberichterstatter kennen. Er fährt mit dem Zug nach Prag:

„Die Fahrt, das Elbtal hinauf, ist entzückend, und die viel genannten Felspartien, kommend und gehend, umtanzen fast den Reisenden, wie Bäume des Waldes.“

In seinem Roman "Mathilde Möhring" taucht die Sächsische Schweiz wiederum auf:

„...daß aber die Sächsische Schweiz mit Königstein und der Bastei dein Herzenswunsch wäre.... da begegnen sich unsere Geschmacksrichtungen. Ich ziehe die Sächsische Schweiz ebenfalls jedem anderen Teile der Welt vor, namentlich auch der eigentlichen Schweiz. Man kann nicht immer große Natur schwelgen, nicht immer klettern und außer Atem sein. Aber Sächsische Schweiz! Himmlisch, ideal...“


Peter Rossegger
(1843-1918), der dem Volkskundlichen sehr verbundene österreichische Dichter war viel auf Reisen und besuchte auch die Sächsische Schweiz: Seine Miniatur „Die kleinen Alpen“ (1870 veröffentlicht) sind ein sympatisches Porträt der Sandsteinlandschaft und seiner Bewohner.

Unter den Dichtern, die die Sächsische Schweiz preisen, befindet sich ein Nobelpreisträger. Es ist Karl Gjellerup (1857 in Roholte - 1919 in Dresden). Der dänischer Schriftsteller studiert bis 1878 Theologie. Er gibt seinen Beruf als Pfarrer auf, bereist Russland, Griechenland, Italien und Deutschland und läßt sich 1892 in Dresden nieder Er publiziert den Großteil seiner Werke in deutscher Sprache.

1917 wird Gjellerup für den Roman „Seit ich zuerst sie sah" der Nobelpreis für Literatur verliehen. Er muss sich diesen Preis mit Henrik Pontoppidan teilen.

Der Roman spielt teilweise in der Sächsischen Schweiz. Der Roman beginnt im Kurort Rathen. Später führt uns der Dichter in einen Steinbruch und schließlich wird ein winterliches Elbehochwasser geschildert. (Leseprobe)


Erich Kästner (1899-1975) schildert in seiner Autobiographie „Als ich ein kleiner Junge war“ die Sächsiche Schweiz aus einem neuen Blickwinkel. Er beschreibt das Abenteuer einer Kletterpartie in den Schrammsteinen, zu der ein Lehrer den Halbwüchsigen eingeladen hatte.

Günther Kunert (geb. 1929) war, bevor er 1979 die DDR verließ, häufiger Gast im Lichtenhainer Wasserfall, dieser altberühmten Gaststätte im Kirnitzschtal. Seine Geschichte einer Landschaft zeigt seine tiefe Verbundenheit mit der Sächsische Schweiz.

1973 bis 1984 arbeitet Wieland Förster an dem Graphikzyklus Labyrinth. Dabei entsteht ein Arbeitstagebuch, das mit seiner dichten Sprache ein einmaliges Dokument der Ringens um die existenziellen Fragen der Zeit ist. Das kleine Felsareal Labyrinth bei Langenhennersdorf, das eher als abenteuerliches Kraxeleldorado für Kinder bekannt ist, wird zum Stichwortgeber für eine große innere Auseinandersetzung. Das Buch besticht durch seine Kohlezeichnungen und Skizzen, aber auch durch seine intensive Sprache.

1985 veröffentlicht Lia Pirskawetz (geb. 1938) den Elbsandsteinroman „Der Stille Grund“ Dieses auch noch heute aktuelle Buch behandelt facettenreich die Auseinandersetzung um Erhalt oder Verbauung eines kostbaren Felsentals in der Jugendheimat der Schriftstellerin, dem Elbsandsteingebirge. Mit einem Zeitsprung in das 19. Jahrhundert versucht sie einen Weg aus dem Teufelskreis von Sachzwängen zu finden und vermittelt Einblicke in die Anfänge des Naturschutzdenkens und -handelns.
(Leseprobe)

Werner Liersch (geb. 1932) ein vielseitiger Schriftsteller, der seit früher Jugend im Elbsandsteingebirge wandert, legt 2001 mit dem Buch "Das romantische Gebirge" einen kenntnisreichen und lebendigen Streifzug über die große Zeit der Entdeckung und Erschließung der Sächsischen Schweiz vor. Wenn ein Dichter über Seinesgleichen schreibt, kann man ein Lesevergnügen erwarten.

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Datum: 2007-06-04 09:47