Die Elbe
Auf Grund der Wasserarmut der Sächsischen Schweiz kommen entsprechende Lebensräume nur sporadisch vor. Das bedeutenste Fließgewässer hinsichtlich seiner Biodiversität ist die Elbe. Sie hat in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz von Děčín / Tetschen bis Pirna eine Lauflänge von 48 km, davon 33 km auf deutscher Seite.
Innerhalb des Elbsandsteingebirges stellt sie einen naturnahen und artenreichen Lebensraum dar. Zum einen existieren hier in großer Mannigfaltigkeit Saumbiotope und Verlandungsbereiche verschiedenster Art (z.B. Spülsäume, Ufersäume, Weidengebüsche, Elblachen mit Schlammfluren) sowie kleinere Auwaldreste (Salicetum albae), die alle eng an die periodische Dynamik des Wasserstandes gebunden sind.
Bemerkenswerte Arten sind hier: Wiener Blaustern (Scilla vindobonensis), Taubenkropf (Cucubalus baccifer), Wurzelnde Simse (Scirpus radicans), Elb-Spitzklette (Xanthium albinum), Schwanenblume (Butomus umbellatus), Lanzett-Froschlöffel (Alisma lanceolatum), Gemeine Sumpfsimse (Eleocharis palustris), Schlangen-Lauch (Allium scorodoprasum), Langblättriger Blauweiderich (Pseudolysimachium longifolia), Banat-Segge (Carex buekii), Queckenreis (Leersia oryzoides) sowie Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia). Als Besonderheiten sind zu nennen: Schlammkraut (Limosella aquatica), Hirschsprung (Corrigiola litoralis) und die nur auf der sächsischen Seite festgestellte Arten Liegendes Büchsenkraut (Lindernia procumbens) und das Gottes-Gnadenkraut (Grattiola officinalis).
An Moosarten sind Fissidens arnoldii und Riccia cavernosa erwähnenswert.
Der gesamten Elbebereich wird von der Malermuschel (Unio pictorum) besiedelt.
Die Libellenarten sind mit den für die Elbe charakteristischen Fließgewässerarten vertreten: Gemeinen Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), der Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia), sowie den häufigeren Arten Gebänderte Prachtlibelle (Caleopterix splendens) und Gemeine Federlibelle (Platycnemis pennipes).
Die Elbe ist auch Lebensraum für fast 40 Fischarten, wobei eine in ihrer Migration bedeutsame Art der Flußaal (Anquilla anquilla) ist.
Als Biokorridior ist des Elbtal auch für viele Vogelarten von Bedeutung. So sind als Wintergäste u.a. regelmäßig Seeadler (Heliaeetus albicilla), Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis), Schellente (Bucephala clangula), Gänsesäger (Mergus merganser) und Zwergsäger (Mergus albellus) zu beobachten. Vom Gänsesäger gelang 1997 auch ein Brutnachweis.
Weiterhin ist das Stromtal Lebensraum und Winterquartier von 9 Fledermausarten (Microchiroptera), unter anderem der sehr seltenen Kleinen Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros).
Ab Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts kommt auch der Elbebiber (Castor fiber albicus) eine autochtone an die Elbe gebundene Unterart wieder vor und besitzt jetzt mehrere Ansiedlungen am Fluß.
Hochwasser an der Sebnitz 2005
Fließgewässer
Unter den Bächen haben die Kirnitzsch, die Sebnitz und die Polenz eine größere Bedeutung. In ihrer Wasservegetation machen sich Flutender Wasserhahnenfuß (Ranunculus fluitans) und Haken-Wasserstern (Callitriche hamulata) geltend, unter den Moosen (Fontinalis antipyretica) und auch eine seltene Rotalge (Batrachospermum sp.), die alle als Indikatoren für saubere Gewässer gelten.
In den Klammen, die durch diese Bäche gebildet wurden findet man das Zweiblütige Veilchen (Viola biflora) in extrem niedriger Meereshöhe von 180 m NN. Stellenweise ist auch die Vegetation der Bach Hochstaudenfluren mit Gemeiner Pestwurz (Petasites hybridus) und Weißer Pestwurz (P. albus) ausgprägt.
Die Fließgewässer sind regelmäßges Nahrungshabitat für den Schwarzstorch (Ciconia nigra), aber auch die Wasseramsel (Cinclus cinclus), die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) und seltener der Eisvogel (Alcedo atthis) sind Brutvögel dieses Lebensraumes.
Die Fließgewässer sind besiedelt von einer charakteristischen Ichtyofauna (Fische), mit Bachforelle (Salmo trutta f. fario), Äsche (Thymallus thymallus) und Westgroppe (Cottus gobio).
Selten auch von Schmerle (Barbatula barbatula) und Elritze (Phoxinus phoxinus).
Seit dem Jahr 1994 wurde ein Wiederansiedlungsprojekt des ausgestorbenen Atlantischen Lachses (Salmo salar) durchgeführt. Im Oktober 1998 konnten dann der erste Rückzug von erwachsenen Lachsen im Ansiedlungsgebiet festgestellt werden.
Regelmäßig kommt auch das Bachneunauge (Lampetra planeri) vor.Ein charakterist-ischer Besiedler von kleinen Fließgewässern und Bachoberläufen in Laubwaldgebieten ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra).
Praktisch in allen Fließgewässern kommt der Fischotter (Lutra lutra) vor und weniger bekannt auch die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens).
Verlandungszone am Taubenteich
Standgewässer
Unter den etwa 60 Standgewässern der Sächsischen Schweiz sind von der Wasserfläche lediglich die Stauanlage des Amselsees (1,2 ha) sowie die der Oberen Schleuse (0,8 ha) bedeutsam.
Die meisten der kleineren Teiche und Weiher haben eine Fläche unter 1000 m². Trotzdem sind sie ein wichtiger Lebensraum für etwa 25 Libellenarten (Odonata), z.B. Glänzende Binsenjunfer (Lestes dryas), Großes Granatauge (Erythromma najas), Becher-Azurjunfer (Enallagama cyathigerum), Große Königslibelle (Anax imperator) und Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae).
Auch für viele Lurch- und Kriechtierarten sind die kleinen Standgewässer für ihre Existenz lebensnotwendig. So sind hier die Erdkröte (Bufo bufo), der Grasfrosch (Rana temporaria), der Springfrosch (Rana dalmatina) sowie die Ringelnatter (Natrix natrix) in mehr oder wenigen großen Populationen vertreten, früher kam in der vorderen Sächsischen Schweiz auch der Laubfrosch (Hyla arborea) vor, der allerdings schon unter die Arten gehört, die bereits im gesamten Elbsandsteingebirge erloschen sind.
Von den kleineren Wasserflächen ist vor allem der Taubenteich zu erwähnen , da hier das äußerst seltene, atlantisch verbreitete Froschkraut (Luronium natans) wächst, welches weiterhin noch in zwei weiteren Teichen im angrenzenden böhmischen Gebiet vorkommt.
Kleine und mittlere Teiche sind Quartier für den Teichmolch (Triturus vulgaris), den Bergmolch (Triturus alpestris), der stellenweise für die Vermehrung auch Pfützen auf den Waldwegen benutzt. Vom seltenen Kammmolch (Triturus cristatus), sind derzeit nur 2 Fundorte bekannt.
Nur aus der Literatur ist die Angabe über den Fadenmolch (Triturus helveticus) der früher auf böhmischer Seite bei Ostrova (Eiland) bekannt war.
Quellen
Quellen sind zerstreut im Gebiet, manchmal im Mosaik mit Erlen-Eschen-Quellwäldern anzutreffen. Charakteristische Arten sind Berg-Ehrenpreis (Veronica montana), Wechselblättriges Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium), Gegenblättriges Milzkraut (Ch. oppositifolium), Bitteres Schaumkraut (Cardamina amara), Winkel-Segge (Carex remota), Wald-Segge (C. sylvatica) und selten auch die Riesen-Segge (C. pendula).
Quellen sind auch der Lebensraum für unsere größte Libellenart der Zweigestreiften Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) und der bei uns im Gebiet wesentlich selteneren Gestreiften Quelljungfer (Corulegaster bidentata).