Felsen und Blockhalden

Blockhalde am Studenec (Kaltenberg)

FFH LRT 8220 und 8150

Die Vegetation, die an die Oberkanten der Felswände gebunden ist hat meistens den Charakter von Beerstrauchheiden oder aber von Felsheiden mit einer Artengarnitur die den Relikt-Kiefernwäldern sehr ähnelt.

Zusätzlich kommt es an den schattigen Nordkanten der Felsriffe infolge von nässestauenden Tonbankungen zu sickerfeuchten Rohhumus-Torfauflagen. Auf diesen Sonderstandorten finden wir als floristische Besonderheiten die boreal-ozeanische Krähenbeere (Empetrum nigrum) und den boreal-kontinentalen Sumpfporst (Ledum palustre) in eigenen Vergesellschaftungen. Als Baumart tritt hier die Moorbirke (Betula pubescens) hinzu.

Die eigentlichen Felswände sind vom Standpunkt der Gefäßpflanzen her uninteressant. Eine Ausnahme bilden zwei floristische Raritäten die zur Familie der Hautfarne (Hymenophyllaceae) mit atlantischer Verbreitung gehören. Der Prächtige Dünnfarn (Trichomanes speciosum) wurde erst Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts entdeckt. Er kommt an über vierzig Stellen in Felsspalten und zwar in der Form eines unabhängig wachsenden Gametophyten vor, wobei die nächst gelegenen Vorkommen der Sporophyten in West- und Südwesteuropa liegen.

Die zweite Art, die ebenso an diese Schluchtstandorte gebunden ist, war die „berühmteste“ Pflanze der Sächsischen Schweiz: der Hautfarn (Hymenophyllum tunbridgense). Die zarte, moosähnliche Pflanze besaß früher im Amselgrund, im Uttewalder Grund sowie im Schrammsteingebiet mehrere Vorkommen und ist an diesen seit über siebzig Jahren erloschen.

Im Unterschied zu den Gefäßpflanzen ist der Schwerpunkt der Artenvielfalt der Moose gerade an diesen Standorten der feucht-nassen Inversionsschluchten in den Tälern. Wir finden hier eine ganze Reihe seltene und gefährdete Moosarten mit montan-alpiner Verbreitung wie Anastrophyllum michauxii, Dicranodontium asperulum, Mylia taylorii und Tetrodontium brownianum.

Die Flora ist durch einige wenige kleinflächige Kalksandsteinvorkommen bereichert worden. Hier finden wir neben dem Grünstieligen Streifenfarn (Asplenium viride) und Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum) auch seltene Kalkmoosarten wie: Jungermannia atrovierens, Orthothecium intricatum, Eucladium verticillatum und Neckeria crispa.
Bei den Flechten sind Arten wie Cladonia digitata, Racodium rupestre, Cystocoleus ebeneus, Parmelia incurva, Letharia vulpina erwähnenswert.
Die Lebensräume der Blockhalden sind im Gebiet der Sächsisch-Böhmischen Schweiz an Nicht-Sandsteinsubstrate (Basalte, Granite) gebunden. An den Rändern dieser Blockhalden wächst sehr selten die Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum) auf fließenden und wärmebegünstigten Halden auch Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Die Moose sind repräsentiert durch Andreaea rupestris, Racomitrium lanuginosum.

In den hohen Felswänden sind die Nistgebiete für einige charakteristische Vogelarten. So besiedelt der Wanderfalke (Falco peregrinus) mit einer der größten mitteleuropäischen Population die Sandsteinwände. Aber auch Turmfalke (Falco tinunculus), Kolkrabe (Corvus corax), Dohle (Corvus monedula), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochrurros) und Mauersegler (Apus apus) nutzen die Felsen zum brüten.

Seit jeher ist die einsame Felsenwildniss auch Brutgebiet des Uhus (Bubo bubo).

Die Felsspalten werden als Quartiere von verschiedenen Fledermausarten wie Abendsegler (Nyctalus noctula) und Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) genutzt.
Eng an diese Felshabitate ist auch das mittlerweile sehr seltene Vorkommen des Gartenschläfers (Eliomys quercinus) gebunden.

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Datum: 2007-05-31 13:50