Brütendes Uhuweibchen in der vorderen Sächsischen Schweiz
Die größte Eule, der Uhu, beginnt recht zeitig im Jahr mit der Brut. So wie die Schmelzwasser durch die Täler rauschen beginnt die Balz und ab Mitte März liegen dann 2-3, selten vier weiße, kugelige Eier in einer Mulde im Sand eines Felsbandes.
Über einen Monat brütet allein das Weibchen, das Männchen ist für ausreichend Futter zuständig. Muß ein Weibchen selber jagen, erkalten die Eier oder die noch kleinen Jungvögel und die Brut ist gescheitert.
Oft sterben bei uns Junguhus infolge Nahrungsmangels. Es gibt in unserer Landschaft zu wenig geeignete Beutetiere um jährlich erfolgreich eine Brut aufzuziehen.
Der „Hauptfeind“ unserer Uhus ist die Verdrahtung der Landschaft. So endeten nicht wenige an Mittelspannungstrassen mit Stützisolatoren aber auch an der Oberleitung der Eisenbahnstrecke durch das Elbtal.
Über die Verbreitung und Entwicklung des Uhubestandes in der Sächsischen Schweiz sind wir dank eifriger Beobachter über Jahrzehnte hinweg sehr genau unterrichtet.
Nach R.HEYDER endete der einst letzte bekannte sächsische Brutvogel durch die Revolverkugel eines Bergsteigers im Jahre 1910 auf Postelwitzer Revier. Erst
1933 gelang der Nachweis erneuten Brütens. Nach einem Brutversuch konnte im Folgejahr am gleichen Platz das Ausfliegen von drei Junguhus festgestellt werden. 1936 wurde ein zweites, 1938 ein drittes und viertes Brutpaar entdeckt.
Als Ergebnis der Bestandskontrollen in den fünfziger und sechziger Jahren wird über den Niedergang der Uhupopulation der Sächsischen Schweiz im Jahre 1970 berichtet, nachdem von 1962 bis 1967 mit vier Paaren und weiteren standorttreuen Einzelvögeln ein damals wohl höchster Stand erreicht gewesen war.
Möglicherweise minderte DDT, wie bei verschiedenen Greifvogelarten nachgewiesen, die Fortpflanzung der heimischen Paare, denn nur 0,17 Jungvögel pro Brutpaar wurden flügge. Aber bereits 1972 gelang erneut der Nachweis eines
Brutversuches im sächsischen Elbsandsteingebirge. Der Bestand stieg anfangs langsam, von 1980 zu 1984 sprunghaft von vier auf elf Paare.
Selten zu sehen - zwei Junguhus in der hinteren Sächsischen Schweiz 1999
Heute, Ende der neunziger Jahre, hatte sich der Uhubestand auf einen Wert um die acht Paare eingepegelt und das scheint wohl auch das „tragbare Maß“ für unsere Landschaft zu sein. Sorgen macht nur der oft ausbleibende Nachwuchs an den Horsten. So erreichte 1997 und 1998 innerhalb der Grenzen der Nationalparkregion kein Junguhu das flugfähige Alter, sie waren im Horst verhungert. 1999 flogen aber wieder acht Junguhus aus sechs Horsten aus, doch schon im kommenden Jahr sank die Zahl der flüggen Junguhus wieder auf Null.
Gut kann man die Bestandsentwicklung an beigefügter Graphik erkennen.
Derzeit leben in der Sächsischen Schweiz sechs bis acht Uhupaare.