Schon im Februar beginnt die Balz mit hohen Flügen, begleitet von lauten Rufen, welche oft in Nähe des späteren Brutplatzes enden. Im März beziehen die Paare dann ihre Horste und die drei bis vier rotbraungefleckten Eier liegen in einer Mulde im Sand, in Löchern oder auf Bändern hoher Felswände und - türme.
Während der über 30-tägigen Brutzeit wechseln sich die Partner beim Brüten ab, wobei das Weibchen den größeren Teil und das Brüten bei Nacht übernimmt. In den ersten Tagen füttert allein das Weibchen die Küken, während das Männchen die Familie mit Beute versorgt. Nach über fünf Wochen fliegen die Jungfalken aus,
werden aber noch längere Zeit von den Eltern mit Futter versorgt.
Wanderfalken sind ausgezeichnete Flieger, welche ihre Beute ausschließlich in der Luft erbeuten. Ihre Nahrung besteht aus Vögeln bis zur Größe einer Krähe, vereinzelt fängt er auch Fledermäuse und Insekten. Beim Sturzflug erreichen sie dabei Geschwindigkeiten von über 300 km/h.
Die hiesige Felslandschaft bietet viele ideale Brutreviere für den Wanderfalken, welcher durch unkontrollierten Pestizideinsatz in der Land- und Forstwirtschaft Anfang der siebziger Jahre hier ausgerottet worden war.
Noch 1960 hatten drei Paare sieben Jungfalken aufgezogen, 1964 flog der letzte Jungvogel aus einem sächsischen Felsenhorst und ab dem Frühjahr 1972 mußte der Wanderfalke als ausgestorben gelten.
Ein Wiederansiedlungsprogramm hat uns die Wanderfalken wiedergebracht. Von 1989 bis 1996 wurden am Lilienstein über siebzig in Gefangenschaft vermehrte junge Wanderfalken ausgewildert, in dessen Ergebnis sich schon 1992 ein erstes Wanderfalkenpaar ansiedelte. Die Falken stammten aus unseren Auswilderungen.
Im folgenden Jahr brüteten drei Paare erfolgreich und zogen fünf Jungfalken auf. 1996 lebten fünf und 1997 schon zehn Wanderfalkenpaare im Elbsandsteingebirge. 1999 zogen in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zwölf Wanderfalkenpaare 20 Jungfalken groß. Auch im Zittauer Gebirge brütete ein erstes Paar erfolgreich und zog zwei Jungvögel groß.
Junge Wanderfalken in einem Horst in der hinteren Sächsischen Schweiz
Im Jahre 2005 lebten in der Sächsischen Schweiz 14 Wanderfalkenpaare, die 27 Jungvögel aufzogen. Hinzu kommen weitere neun Paare im böhmischen Gebietsteil.
Alle Jungfalken sind mit einer individuellen Farb-Kennring-Kombination gekennzeichnet. Auch die im Elbsandsteingebirge lebenden Wanderfalken sind überwiegend so markiert und wir wissen, daß bei uns Weibchen aus Baden-Württemberg, Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein horsten, aber auch, daß Jungfalken von uns in Hessen, Bayern, Tschechien und Frankreich gefunden wurden.
Ein 1992 am Lilienstein ausgewildertes Weibchen brütete Jahre erfolgreich im Ostharz und ein weiteres im nordostmährischen Altvatergebirge.