Warum schützen?
„Ich habe auf meinen
Reisen durch das südliche Deutschland, die Schweiz, Salzburg, Österreich
und Schlesien sehr viel Schönes dieser Art gesehen, doch solche
herrlichen Felsengruppen sind mir dort nirgends aufgestoßen.“ Carl
Merkel, 1826


Die Brosinnadel in den Affensteinen
2005, Matthias Böttger
Wuchtige Tafelberge thronen über der weiten Landschaft, durch die sich die Elbe majestätisch windet.
Enge
Schluchten mit senkrechten Wänden und bizarre Felstürme zeugen von
einer Entstehungs- geschichte, die vor 100 Millionen Jahren im Meer
begann und auch heute nicht beendet ist.
Sie fügen sich zu einer
komplexen Erosions- landschaft zusammen, die in Mitteleuropa einzigartig
ist, einer Landschaft, deren Reiz man sich nur schwer entziehen kann…
Obwohl
die jahrhundertelange Nutzung durch den Menschen eine vielfältige
Kulturlandschaft hinterlassen hat, sind große Bereiche des
Elbsandsteingebirges in einer erstaunlichen Ursprünglichkeit und
Wildheit erhalten.
Die weitgehend intakte Natur der
Wald-Fels-Gebiete zeigt sich durch einen hohen Anteil naturnaher
Lebensräume und Lebensgemeinschaften mit vielen Besonderheiten. Weiß
leuchten die Blüten des Sumpfporsts, den der Volksmund liebevoll
„Sächsisches Edelweiß“ nennt. Wanderfalken kreisen über zerzausten
Wetterkiefern. Abends traut sich der Gartenschläfer aus seinem Versteck.
Und sogar Luchse schleichen hin und wieder durch das Gebiet…
Hier
verhilft der Nationalpark der Natur zu ihrem Eigenrecht. Der Mensch
greift grundsätzlich nicht mehr regelnd in die natürlichen Kreisläufe
ein, sondern ist Beobachter und Schüler zugleich. Die Natur mit ihren
Pflanzen und Tieren hat einen Eigenwert und ein autonomes Lebensrecht,
unabhängig davon, ob sie dem Menschen nützt oder nicht. Und der Mensch
gehört gleichberechtigt dazu.
Was schützt der Nationalpark?
Landschaftsschutz
Eigenart, Schönheit und naturräumliche Vielfalt von Teilen des sächsischen Elbsandsteingebirges
Prozessschutz
Ungestörte (ungelenkte) Naturentwicklung ohne menschliche Eingriffe
Biotopschutz
Naturnahe Wälder mit ihren Lebensräumen und Felsen
Artenschutz
Heimische Pflanzen und Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen
Was dazu noch zu sagen wäre...
Mit
der Natur ist es wie mit der Gesundheit: je weniger wir davon haben,
umso wertvoller wird sie. Der Nationalpark Sächsische Schweiz wurde
gegründet, um diesen einzigartigen Schatz für uns heute, aber auch für
kommende Generationen zu bewahren.
Der Nationalpark ist kein Sperrgebiet. Ein gut ausgebautes und markiertes Wegenetz lädt zum
Wandern und
Radfahren, über 700 zugelassene Gipfel zum
Klettern ein. Soweit es der vorrangige Schutzzweck gestattet, dient er damit allen Gästen zur Erholung und zum Naturgenuss.
Viele
Naturzusammenhänge und -abläufe sind uns auch heute noch weitgehend
unbekannt. Der Nationalpark bietet ideale Voraussetzungen, um diese zu
erforschen. Die vom Menschen weitgehend ungenutzte Natur ist
gleichzeitig ein einzigartiger Lernort
nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene und
Senioren.Die Liste wichtiger Aspekte ist damit noch lange nicht zu Ende.
Fürsprecher der Nationalparkidee eint aber vor allem eines - die
Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Lebens!


Sonnenaufgang über dem Elbsandsteingebirge (Zirkelstein)
Frank Richter privat