Waldpflege

Ziele, Grundsätze und deren Realisierung

Von der in der „Zone B“ verbleibenden Waldfläche sind in etwa 2.200 ha naturfern. Hier erfolgt durch geeignete forstwirtschaftliche Maßnahmen eine gewisse Annäherung an die potentiell natürliche Waldvegetation. Im Wesentlichen erfolgt dies über vier verschiedene Waldbehandlungsmethoden:

  • Mischungsregulierung,
  • Wuchsraumregulierung,
  • Entnahme gebietsfremder Baumarten und
  • Verjüngungshiebe.

Als erste Methode ist hier die Mischungsregulierung zu nennen, bei der die Fichte zugunsten der heimischen Baumarten, wie Buche, Birke, Traubeneiche, Kiefer und Weißtanne, entnommen wird. Von hoher Bedeutung ist die Wiedereinbringung der Weißtanne, die im Nationalpark früher in den natürlichen Waldgesellschaften einen Anteil um die 15 % besaß. Durch einen gezielten Anbau heimischer Herkünfte dieser seltenen Baumart – insgesamt wurden zwischen 1993 und 2011 knapp 200 ha angebaut – soll ihr Anteil wieder auf eine Fläche von 3 – 4 % angehoben werden.

Als zweite Waldpflegemethode ist die Wuchsraumregulierung zu nennen, bei der in den Fichtenbeständen durch Baumentnahme mehr Wuchsraum für die verbleibenden Bäume geschaffen und deren Stabilität erhöht wird. Gleichzeitig wird die vertikale Waldstruktur gefördert. Diese Methode wird besonders in jungen und mittelalten Waldbeständen angewendet.

Als dritte Waldbehandlungsmethode ist die konsequente Entnahme von gebietsfremden Baumarten zu nennen, die einen Anteil von etwa 7 % einnehmen. Dies betrifft nach der Reihenfolge ihrer Häufigkeit die Europäische Lärche (4,2 %), die Roteiche (1,3 %), die Douglasie (0,4 %) sowie die Weymouthskiefer (0,2 %). Dabei spielen invasive Baumarten, die hinsichtlich ihrer Ökologie in der Lage sind, heimische Baumarten zu verdrängen, eine besondere Rolle. Hier sind an erster Stelle die Weymouthskiefer aber auch die Roteiche zu nennen, welche auch in der Naturzone A bekämpft werden müssen. In der Entwicklungszone B werden bei diesen Arten auch kleine Kahlschläge bis zu 0,3 ha durchgeführt, um eine nachhaltige Beseitigung dieser Baumarten zu erreichen. Insgesamt wurden z. B. zwischen 2008 und 2011, also in vier Jahren, 1.200 fm Weymouthskiefer und 15.000 fm Lärche eingeschlagen.

Die vierte Waldbehandlungsmethode sind die Verjüngungshiebe, die zum Zwecke der Neuanpflanzung von Weißtanne, aber auch von Traubeneiche durchgeführt werden. Sie ermöglichen auch eine Förderung der Naturverjüngung standortheimischer Baumarten. Die eigentliche Aufgabe, um von den strukturarmen und gleichartigen Fichtenforsten wegzukommen, ist das Etablieren einer neuen naturnäheren Waldgeneration ohne großflächige Störungen zu induzieren. Dabei erfolgt die Strukturierung des gleichförmigen Wuchsverhaltens durch eine feine Steuerung des Lichtes im Bestand.

Strukturreicher Hainsimsen-Buchenwald

Strukturreicher Hainsimsen-Buchenwald/
Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Zweischichtige Bestände und Femelschläge mit einem teilweisen Erhalt der Überschirmung sind mögliche Übergänge zu einem strukturierten Naturwald. Früh, oft und mäßig sollten die Eingriffe stattfinden. Generell ist der Holzeinschlag im Nationalpark nur in der Zeit von Mitte August bis Mitte März gestattet. Er erfolgt kahlschlagsfrei, mit der oben genannten Ausnahme und ohne Kalkung bzw. Anwendung von Pestiziden. Es kommen motormanuelle und mechanisierte Einschlagsverfahren zur Anwendung. Das Vorliefern des Holzes erfolgt motorisiert oder per Pferd. Das Holz wird mit dem LKW auf geeigneten Waldstraßen abgefahren. Es kann durch den Einsatz der Forstspezialmaschinen zu Schäden am Bestand und im Boden kommen. Die Holzernte wird nach dem Sächsischen Waldgesetz und den Richtlinien des Staatsbetriebs Sachsenforst durchgeführt und unterliegt ständigen Qualitätskontrollen.  

Tieflader setzt Harvester zum Einsatzort um

Tieflader setzt Harvester zum Einsatzort um / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Das zur Neubegründung von Beständen verwendete Saatgut stammt ausschließlich aus dem Elbsandsteingebiet. Für diese forstlichen Übergangsarbeiten ist ein Zeitraum von 40 Jahren seit Gründung des Nationalparkes vorgesehen. Inwiefern bis dahin das Ziel, 75 % der Nationalparkfläche dem Prozessschutz überlassen zu können, erreicht wird, bleibt abzuwarten.  Der ermittelte jährliche Zuwachs liegt bei 7,5 Vfm/ha/a (BREZINA 1998). Der Vorrat je Hektar des Nationalparks Sächsische Schweiz, errechnet aus der Permanenten Stichprobeninventur (1996), beträgt 289 Vfm/ha. Zwischen 1998 und 2011 lagen die jährlichen Einschlagszahlen im Nationalpark zwischen 23.000 und 28.000 Efm. In den vorhandenen Fichtenreinbeständen wird ein permanentes Borkenkäfermonitoring durchgeführt. Es erfolgt mit Hilfe von Pheromonfallen oder visuell durch die Förster. Nach dem Lokalisieren eines Käfernestes werden die befallenen Bäume gefällt, aufgearbeitet und zügig abtransportiert.

Käfernest

Käfernest / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Abschließend sei noch erwähnt, dass eine für das Wachsen des Waldes verträgliche Wilddichte von entscheidender Bedeutung ist. In der Vergangenheit kam es jedoch nicht selten zu sehr hohen Wilddichten, was sich negativ auf die Naturverjüngung auswirkte. Die Regulierung des Wildbestandes wird aufgrund der Kleinflächigkeit des Nationalparkes sowie seiner Einbettung in die Kulturlandschaft mit ihren landwirtschaftlichen Nutzflächen notwendig, zumal auch alle natürlichen Prädatoren (Wolf, Luchs und Bär) fehlen. Dabei wird berücksichtigt, dass ein für naturnahe Waldökosysteme tragbarer Wildbestand dauerhaft erhalten bleibt.

Der Borkenkäfer – Schädling oder Chance im Nationalpark?

„Während also in dem stets „standortgemäßen“ Urwald eine Insektenkalamität zu den Ausnahmen gehört, bildet diese Erscheinung in dem vom Menschen begründeten und weit außerhalb des Bestwuchsgebietes der Fichte liegenden „Kunstwald“ die Regel. Diese sich höchst unangenehm auswirkende Erscheinung ist eine Folge davon, dass die Kulturwälder durch den Menschen oft bei völliger Außerachtlassung der im Urwald geltenden Naturgesetze angelegt wurden.“ (FRÖHLICH 1954).

Buchdrucker (Ips typographus)

Buchdrucker (Ips typographus) / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung

Größere Borkenkäferkalamitäten wurden erstmals im Juli 1835 im Ottendorfer Revier vermerkt, als 123 fm dürre Hölzer anfielen. Im September des gleichen Jahres wird im Mittelndorfer Revier der Befall von Fichten auf dem Winterberg, Hausberg und dem Bösen Graben gemeldet. 1866 tritt der Borkenkäfer im Postelwitzer Revier nach vorjähriger Hitze und Trockenheit ungewöhnlich stark auf.  

Infolge der aktuellen Klimaerwärmung um derzeit etwa 0,6 °C gibt es in ganz Mitteleuropa große Probleme mit der Fichte. Dies betrifft sowohl nicht standortgemäße Fichtenforste als auch die Fichten in den höheren Berglagen, z. B. in den Karpaten. Es zeigt sich, dass der Borkenkäfer (Ips typographus), der früher Baumbestände in etwa 1.000 – 1.200 m Höhe geschädigt hat, heute auch für Fichtenbestände der oberen Baumgrenze (1.500 – 1.600 m) eine Gefahr darstellt. Das ist insofern bemerkenswert, da dies das natürliche Wuchsgebiet der Fichte betrifft. Es scheint, dass hier die Fichte in ihrer Höhenverbreitung nach oben gedrängt wird und Tannen-Buchenwälder nachrücken.

In der Sächsischen Schweiz, wo die Fichte auf großer Fläche nicht standortgemäß ist und oft sogar in der kollinen Eichenstufe angebaut wurde, ist mit dem Borkenkäfer als natürlichem Korrektiv zu rechnen. Die letzten Jahre verdeutlichen, dass nach warmen Trockenperioden, wie z. B. 2008, die Vermehrung der Borkenkäferpopulation rasant ansteigt, was sich auf die Anzahl der Befallsherde (300) sowie die Schadholzmenge (7500 Efm) auswirkt. Sollten sich solche Trockenperioden in den Sommermonaten häufen, könnte es sein, dass auch Fichten auf günstigeren Standorten durch den Borkenkäfer befallen werden und infolge von Wassermangel und damit einhergehenden Vitalitätsverlusten, durch den Borkenkäfer zum Absterben gebracht werden. Aktuell sind bei der kühlen und feuchten Witterung 2011 im Nationalpark 70 Borkenkäferherde mit einer Schadholzmenge von 550 Efm bekannt geworden, wovon sich nur vier in der vorderen Sächsischen Schweiz befinden.  

Kleiner Käfer, große Wirkung: 400 Borkenkäfer können, eine ausgewachsene Fichte zum Absterben zu bringen (Quelle: Bayerische Staatsforsten) Foto: Archiv Nationalparkverwaltung, H.Mayr

Trotz ihrer kleinen Größe, können allein 400 Borkenkäfer eine ausgewachsene Fichte zum Absterben bringen (Quelle: Bayerische Staatsforsten) / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung, H.Mayr

Die Situation, besonders der über 60 Jahre alten Fichtenbestände, bleibt damit angespannt, zumal auch für die Verjüngung der Flächen früher keine geeigneten Herkünfte verwendet wurden. Die zu geringen Niederschläge (< 800 mm) sowie die lehmreichen Böden (Staublehm) führen zu einem schnell einsetzenden Trockenstress und zu einer Erhöhung des Windwurfrisikos.

Der Buchdrucker kann bei günstiger Temperatur und guten Windbedingungen bis zu einem Kilometer weit fliegen, so dass eine Ausbreitung nur schwer zu verhindern ist. Die natürlichen Feinde des Buchdruckers (Singvögel, Spechte, verschiedene Raubinsekten, Parasiten, Pilze, Viren) können eine Massenvermehrung nicht verhindern. Bei den hiesigen Beständen handelt es sich oftmals nicht um natürliche, struktur- und artenreiche Wälder, sondern um Monokulturen in denen für den Käfer optimale Bedingungen herrschen. Dieser Umstand kann zum Absterben großer Waldteile führen.  

In der Sächsischen Schweiz besitzen große zusammenhängende Fichtenbestände nur selten Flächen über 100 ha, so dass derartige Entwicklungen kaum eintreten dürften. Es muss aber auch erwähnt werden, dass der Borkenkäfer zum Ökosystem Wald gehört und hier auch seine Funktion hat. So ist nicht jeder Befall als Katastrophe zu werten und nicht selten geht der Wald somit einen Schritt in Richtung Naturnähe.

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