Nationalpark als Entwicklungsgebiet

Korrekturfaktor Borkenkäfer: Natürlicher Umbau der Fichtenwälder gewinnt an Fahrt

Mischwald-Ausschnitt

Junger Wald zeigt sich schnell, wo Borkenkäfer kränkelnde Alt-Fichten zu Fall gebracht haben. / Foto: Archiv Nationalparkverwaltung, F. Strohbach

Natur Natur sein lassen: Das Motto des Nationalparks verspricht Grün in allen Schattierungen, Arten in teils ungeahnter Vielfalt. Gerade im Ruhebereich des Nationalparks unterstützt zurzeit der Borkenkäfer in großer Zahl, das Schutzgebiet ohne menschliche Eingriffe weiterzuentwickeln. Die Witterungsbedingungen im Jahr 2017 leisteten Vorschub, Herbst- und Winterstürme sowie die Trockenheit in der ersten Jahreshälfte 2018  ebenso.

Grafik Befallsmengen

Befallsentwicklung von Borkenkäfern in Bezug auf Festmeter Fichtenholz. Zum Vergrößern einfach auf die Grafik klicken. / Grafik: Nationalparkverwaltung

Wo genau sich Borkenkäfer zu schaffen machen, behalten die Nationalparkrevierleiter natürlich ständig im Auge. Finden sie Käfer in Bäumen, die im sogenannten Ruhebereich des Waldes stehen, werden entsprechend der Nationalparkziele keine Gegenmaßnahmen ergriffen. Außerhalb des Ruhebereichs werden solche Fichten schnell gefällt und aus dem Wald transportiert. Vor allem, um angrenzende Flächen anderer Eigentümer vor Käferbesuch zu schützen.

Die Fichten-Holzmenge, in der 2017 Borkenkäfer festgestellt wurden, betrug 20.730 Kubikmeter – das sind 1 % des im Nationalpark vorhandenen Fichtenholzes. Und was bedeutet dies, bezogen auf die Fläche? Die Gesamtfläche des Nationalparks beträgt 9340 Hektar. Punktuell und auch auf kleineren Flächen, haben Borkenkäfer 2017 und 2018  rund 2 % der Nationalpark-Fläche umgestaltet.

Besucher können beispielsweise auf einer Fläche am Kleinen Winterberg (Wanderweg Reitsteig) den faszinierenden Prozess beobachten, der jetzt – bei hohem Borkenkäfer-Aufkommen – einsetzt. Daran, dass sich der Borkenkäfer derzeit an vielen Fichten einstellt, hat auch der Klimawandel seinen Anteil. Niederschläge haben sich verringert, Fichten fallen dadurch in Trocken-Stress. Sie beginnen zu kränkeln. Außerdem hat die Forstwirtschaft innerhalb der letzten 200 Jahre die Wälder stark verändert: Fichten wurden gepflanzt, wo sie vorher natürlicherweise nicht vorkamen. An solchen Standorten fehlt ihnen oft die Kraft, Borkenkäfer abzuwehren. Dass die Natur die schwächsten Fichten „aussortiert“, ist also eine natürliche Folge. Sobald die Fichten kahl sind, beginnt kräftiges Waldwachstum mit verschiedenen Pflanzenarten, so dass der Naturwald von morgen entsteht.

Rund 150 Borkenkäferarten gibt es in Europa. Von den dominierenden Fichtenwäldern hat vor allem die Art Buchdrucker profitiert, die genau diese Baumart bevorzugt. Bei günstiger Witterung sind Buchdrucker in der Lage, sich bis zu dreimal pro Jahr zu vermehren. Aus einem Borkenkäferpärchen können bis zu 1000 Tiere werden. Eine so schnell wachsende Population hat die Fähigkeit, einzelne Bäume bis hin zu ganzen Fichtenwäldern binnen kurzer Zeit zum Absterben zu bringen.

Karte Nationalpark und Borkenkäfer

Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark. Zum Vergrößern einfach auf die Karte klicken. / Grafik: Nationalparkverwaltung, S. Hanuschka

 

 

Allgemeine Informationen zum Nationalparkgebiet

Waldtypen des Nationalparkgebietes

Die natürlichen Waldtypen des Nationalparks / Grafik: Archiv Nationalparkverwaltung, F. Richter

Im Elbsandsteingebirge konzentrieren sich naturnahe Bereiche auf nutzungsmäßig schwer zugängliche Felsriffe und -plateaus, Gründe und Schluchten im Sandstein sowie Kuppen und Hanglagen im Basalt und Granit. In diesen teils seit langem als Naturschutzgebiet recht abgeschirmten Bereichen, sind zahlreiche naturnahe Waldgesellschaften, Felsbiotope und Fließgewässer erhalten geblieben. Auf einem Teil der Flächen sind in den nächsten Jahren noch Maßnahmen zur Einleitung einer natürlichen Entwicklung erforderlich. Dies betrifft z. B. die Förderung heimischer Baumarten (Weißtanne, Eiche, Buche) in den großflächigen Fichtenforsten der Ebenheiten oder die teilweise Renaturierung von Fließgewässern. Langfristig sollen auch lenkende Maßnahmen auf der weit überwiegenden Fläche minimiert und eingestellt werden.

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