Zonierungskonzept des Nationalparks

Zonierung? Denn der Nationalpark ist ein Entwicklungsgebiet

Der Mensch hat in den vergangenen Jahrhunderten deutliche Spuren im Gebiet hinterlassen. Benötigten die Zimmerleute Holz für einen neuen Dachstuhl, wurden Weißtannen gefällt. Die Köhler bevorzugten eher Holz der Rotbuche für ihre Meiler und so weiter… Um den großen Holzbedarf der Bevölkerung decken zu können, pflanzten mehrere Generationen von Forstleuten Fichten an. Damit gingen Veränderungen einher, die noch heute deutlich sichtbar sind:
 
Baumartenverteilung im Gebiet des Nationalparks in Prozent
   um 1600  1998
Fichte  2  46
Kiefer  17  15
Tanne  25  0,1
Eiche  25  3
Buche  19  12
andere heimische Laubbäume  12  17
gebietfremde Bäume (z.B. Lärche,
Weymouthskiefer, Roteiche)
 0  7
 Summe  100  100
 
 
Bestimmten noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts naturnahe Buchen- und Eichenmischwälder mit Weißtanne und Kiefernwälder auf trockenen Felsriffen das Bild der Landschaft, sind es heute oft gepflanzte Fichtenreinbestände. Die einst häufige Weißtanne starb in dieser Zeit fast aus. Nur die zerklüfteten und schwer zugänglichen Felsbereiche, steile Hänge und Basaltkuppen blieben bis heute weitgehend unverändert. Diese Bereiche mit ihren knorrigen Kiefern- und alten Buchenwäldern sind es auch, in denen das Prinzip der Nationalparke „Natur Natur sein lassen“ bereits heute gilt und keinerlei Eingriffe mehr erfolgen. Um der Waldgeschichte des Gebietes optimal gerecht zu werden, wurde ein dynamisches Zonierungskonzept für den Nationalpark erarbeitet: 
 
Zonierungskarte des Nationalparks

Übersichtskarte Zonierung des Nationalparks, Stand: Rechtsverordnung 2003 / Grafik: Archiv Nationalparkverwaltung

grünes Kernzonenschild wie im Gelände

 
Zur Gewährleistung einer möglichst störungsfreien Entwicklung wurde in den sensibelsten Naturbereichen des Nationalparks eine Zone ausgewiesen, in der spezielle Verhaltensregeln für Besucher gelten. Die Kernzone, die im Gelände ausgewiesen ist, dient ausschließlich der Besucherlenkung. In dieser Kernzone ist das Betreten nur auf markierten Wegen erlaubt und das Übernachten im Freien nicht gestattet
 
Weitgehend unberührte und naturnahe Flächen befinden sich in der…
  • Naturzone A (auch „Ruhezone“ oder „Ruhebereich“) – 37,3 % (2003)
Hier soll die Entwicklung der Natur grundsätzlich ohne nutzende und lenkende Eingriffe ihren natürlichen Abläufen überlassen bleiben (Prozessschutz). Um die Kriterien zur internationalen Anerkennung als Nationalpark zu erfüllen, soll die Naturzone A innerhalb von ca. 30 Jahren auf > 75 % erweitert werden. In der…
  • Naturzone B („Entwicklungszone“) – 57,6 % (2003)
…liegen Flächen, die stärker durch den Menschen verändert wurden. Eine Eigenentwicklung der Natur setzt aber eine gewisse Naturnähe voraus, soll es nicht zu – aus menschlicher Sicht – dramatischen Veränderungen der Landschaft kommen (z.B. Borkenkäfer-Massenvermehrung und großflächiges Absterben von Fichten). Hier sollen in einem Übergangszeitraum von ca. 30 Jahren die Waldbestände stabilisiert und die Entwicklung standortheimischer Baumarten gefördert werden. Aus Gründen des Artenschutzes werden Weißtannen gepflanzt, die sich aus eigener Kraft kaum noch vermehren könnten. Nach dieser Zeit werden die Flächen entweder dauerhaft zur Naturzone A oder zur Pflegezone zugeordnet.Die…
  • Pflegezone – 5,1 % (2003)
…umfasst überwiegend randlich am Nationalpark liegende Flächen, auf denen z.B. aus Gründen der Verkehrssicherung eine dauerhafte Pflege erforderlich ist (z.B. in der Nähe von Erholungsschwerpunkten oder Wohnhäusern).