Faszination
Höhlen üben auf Menschen seit jeher eine große Anziehungskraft aus – als Lagerplatz zu Urzeiten, als Unterschlupf für Räuber und Geldfälscher, als Versteck für Schutzsuchende samt ihrem Vieh in kriegerischen Zeiten, als Kultstätte, als interessantes und faszinierendes Gebilde für „Landschafter“, Künstler und Natur-liebhaber sowie mitunter auch als Müllhalde für Haushalt- oder Industrieabfälle, Kühl- und Lagerraum oder touristisches Erlebnisobjekt ...
Höhlen sind aber vor allem auch sehr sensible Ökosysteme und Zeugnisse der geologischen, biologischen und historischen Entwicklung und daher unbedingt in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten.
Höhlen entstehen
... zumeist durch Verwitterungsvorgänge (Erosion bzw. Auflösung und Auswaschung) oder durch tektonische Vorgänge (Abriss oder Zusammenbruch von Felsformationen, Klüftung und Verschiebung), mitunter auch durch Gasblasen oder unterirdische Lava-Bewegungen.
Verglichen mit Höhlen im Tuffstein oder den teilweise riesigen Höhlensystemen in Karstgebieten mit Kalk-, Dolomit- oder Gipsgestein nehmen sich die Höhlen im Elbsandstein eher wie Zwerge aus, auch wenn die im böhmischen Elbtal gelegenen Klufthöhlen die bedeutendsten in der Region sind.
Auf dem Boden eines Binnenmeeres in der Oberen Kreidezeit bildete sich durch Ablagerungsvorgänge über die Zeitspanne von etwa acht Millionen Jahren eine kompakte Sandschicht, die bis zu 600 m (in Böhmen sogar bis zu 1000 m) mächtig war.
In den Sedimentationspausen lagerten sich dabei mehr feinkörnige Tone zwischen den Sanden ab, was zu Ausprägung unterschiedlich starker Bankungen führte. Die tonigen Schichten nennt man Schichtfugen oder Grenzhorizonte, da sie meist horizontal gelagert sind.
Nach dem Abfließen des Meeres wurde das verfestigte Sediment – inzwischen eine gewaltige Sandsteinplatte - starken tektonischen Beanspruchungen ausgesetzt. Klüfte bildeten sich und vor allem Wasser, Wind und Eis begannen die Landschaft zu modellieren und den Sandstein zu verkarsten.
Formen von Höhlen
An den wasserundurchlässigen, festeren Tonschichten staut sich das Wasser, wobei die stärkere Durchfeuchtung zur verstärkten Auflösung (Korrosion) und Aushöhlung des Gesteins führt.
Durch Verwitterung und Abtragung mechanischer Art (Erosion) entstehen Terrassen, Überhänge und Hohlräume entlang dieser Schichtfugen; es bilden sich Schichthöhlen bzw. Schichtfugenhöhlen in unterschiedlichen Dimensionen bis hin zur Unter-tunnelung ganzer Felsen.
Markante Beispiele für Schichtfugenhöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:
der Kuhstall am Neuen Wildenstein
die Hickelhöhle im Großen Zschand
der Diebskeller am Quirl
die Lichterhöhle am Kleinhennersdorfer Stein
die Gamrighöhle bei Rathen
die Gautschgrotte im Brand
Neben der Schichtung sind senkrechte Klüfte bis hin zu feinsten Rissen im Gestein für die Höhlenentstehung maßgebend. Hier führen Korrosion und Erosion zu stehenden linsenförmigen Räumen und korrosiven Klufthöhlen.
Beispiele:
Fortschreitende Verwitterung und Felsbewegungen können zu weiteren Höhlenformen (Trümmerhöhlen, Klufthöhlen, Einsturzhöhlen) führen, wobei die Felsbewegungen oft auch ursächlich auf Schichtfugen zurückzuführen sind, da diese großflächig als Gleitflächen oder Harnische wirken.
Beim Einsturz von Felsformationen und der Übereinanderlagerung von Felsblöcken kann es zum Einschluss von Hohlräumen kommen, es entstehen Trümmerhöhlen bzw. Blocktrümmerhöhlen.
Beispiele für Trümmerhöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:
die Bellohöhle am Pfaffenstein
der Kleine Kuhstall am Pfaffenstein
die Bennohöhle im Bielatal
der Wildpretskeller zwischen den Zschirnsteinen
Durch talseitiges Bewegen und Rutschen von Felswänden oder großen Blöcken an Spalten und Klüften können vor allem tiefe Hohlräume entstehen, die in der Regel nur klettertechnisch zu befahren sind.
Beispiele für Tektonische Klufthöhlen in der Sächsischen Schweiz sind:
die Schwedenhöhle bei Wehlen
die Punkenhöhle bei Krippen
die Schwedenhöhle im Bielatal
die Wohlrabhöhle im Bielatal
Das Einstürzen oder Einschließen von durch Erosion oder Korrosion entstandenen Aushöhlungen kann vor allem an stark ausgewitterten Schichten zu Einsturzhöhlen führen.
Beispiele für Einsturzhöhlen in der Sächsischen Schweiz sind: