“Die Zeit ändert die Dinge. Nicht immer geschieht es – gewollt oder ungewollt – zum Besten. Stück um Stück verliert unsere Heimatnatur an Unberührtheit, an urwüchsiger Kraft und wilder Schönheit. Möchte der Tag unabsehbar fern sein, an dem alle Klarheit der Quellen in Becken gefaßt, aller Übermut unserer Wildwässer in Rohren und Betonmauern gebändigt ist.”
nachdenkliche Worte, mit denen vor über dreißig Jahren der bekannte sächsische Ornithologe Gerhard Creutz sein schönes Buch über die Vogelwelt der Gebirgsbäche abschloß. Zumindest in Mitteleuropa haben sich diese Worte leider bewahrheitet. Unsere Natur schrumpft infolge unseres menschlichen Tuns unaufhörlich zusammen, parallel mit ihrem Vergehen wächst aber auch das Verlangen nach intakten und schönen Landschaften und “unberührten” Gegenden.
Nationalparke sind weltweit Gebiete besonderer Naturschönheit und damit auch Anziehungskraft. In unseren, vom Menschen genutzten Kulturlandschaften geht es bei dieser Schutzkategorie im wesentlichen darum, auf mindestens 75 % der Fläche eine Ablösung der Landnutzungen und die natürliche Rückentwicklung zu Naturwäldern einzuleiten.
Die Dynamik des Naturgeschehens, wo immer und in welcher Form sie uns auch begegnen mag: wenn Flüsse über die Ufer treten und den Auwald unter Wasser setzen, wenn Lawinen oder Gletscher zu Tale gehen und den Bergwald hinweg-fegen oder wenn das Feuer ganze Waldflächen verkohlen läßt – gibt uns einen faszinierenden und ungewohnten Einblick in die natürliche Neu-Entstehung von Ökosystemen.
Für uns Menschen sind diese Geschehnisse in der Regel negativ belegt und werden als „Katastrophen“ bezeichnet, auch dort, wo wir mit unserer menschlichen Existenz nicht unmittelbar betroffen sind. Die Natur selbst kennt jedoch keine Gleichgewichtszustände oder Stabilität. Diese Naturprozesse sind dabei die eigentlichen Motoren des Evolutionsgeschehens auf der Erde und für das Fortbestehen biologischer Vielfalt und des Lebens selbst unabdingbar.
So ist für das Ökosystem des Waldes z.B. das stehenlassen von alten und zerfallenden Bäumen von äußerster Wichtigkeit, da diese einen unersetzlichen Lebensraum für zahlreiche Flechten, Pilze und andere Holzzersetzer (Xylobionten) darstellen.
So machen Naturlandschaften - eigentlich schon immer - den Menschen das Angebot in das Antlitz seines eigenen Daseins zu schauen. Neben dieser belebenden Kraft welche die Natur zweifellos auf den Menschen hat, befinden sich aber gerade in jenen (Natur)Schutzgebieten die letzten und allerletzten Lebensstätten von Pflanzen- oder Tierarten deren Schicksal und Ergehen uns als Menschen nicht gänzlich unberührt lassen darf. Wie wir als Menschen mit diesem Thema umgehen ist jedoch weitgehend eine ethisch-kulturelle Frage.